Eine Reise durch die Physiologie - Wie der Körper des Menschen funktioniert
 

     
Spezielle Endokrinologie

  Untersuchung der Nebennierenfunktion
© H. Hinghofer-Szalkay

Chromaffine Zelle: χρῶμα = Farbe
Conn-Syndrom: Jerome Conn
Mb. Addison: Thomas Addison
Phäochromozytom: φαιός = dunkel, χρῶμα chrṓma = Farbe, κύτος = Gefäß (Zelle)
Szintigrafie: scintilla = Funke, γράφειν  = zeichnen, schreiben
Vanillinmandelsäure: vainilla (span.) = Schötchen, kleine Scheide (vagina)


Chromaffine Zellen des Nebennierenmarks produzieren Adrenalin und Noradrenalin. Die Synthese erfolgt aus Tyrosin über mehrere Stufen und wird über Enzyme gesteuert. Die renale Ausscheidung von Abbauprodukten der Katecholamine, wie (Nor-)Metanephrin und Vanillinmandelsäure, spiegelt das Ausmaß der Katecholaminsynthese im Körper wider.

In der Nebennierenrinde können Mineral-, Glucocortikoide oder Androgene von Fehlfunktionen betroffen sein (entsprechend unterschiedlich die Symptomatik). Der Blutspiegel an Steroiden kann stark schwanken, entsprechend der schubweisen adrenalen Freisetzung der Hormone. Dazu kommen zirkadiane Rhythmen.

Stimulationstests suchen die Stelle eines Defekts im Regulationskreis:
 
 -- Auf ACTH-Gabe reagiert
eine insuffiziente Nebennierenrinde nicht;
 
 -- der Insulinbelastungs- oder der Dexamethason-Hemmtest überprüfen das hypothalamisch-hypophysäre System;
 
 -- der Metopirontest hemmt die Cortisolsynthese, ein gesunder Hypothalamus sezerniert daraufhin vermehrt ACTH.


Nebennierenmark Nebennierenrinde
 
Die Nebennieren sind lebenswichtige endokrine Organe. Zur Beurteilung der Nebennierenfunktion (Mark, Rinde) können Anamnese, klinisches Erscheinungsbild, Laborwerte und bildgebende Verfahren herangezogen werden.
 

>Abbildung: Stressachse

Bewertet das Gehirn eine Situation als herausfordernd / bedrohlich, aktiviert es die Stressachse

 
CRH, Corticoliberin    ACTH, Adrenocorticotropin    POMC, Proopiomelanocortin

Nebennierenmark
 
Das Nebennierenmark bildet (mit seinen neuroendokrinen chromaffinen Zellen) in Belastungssituationen - angeregt durch sympathisch-präganglionäre Fasern - Katecholamine und gibt diese ins Blut ab: Adrenalin und Noradrenalin im Verhältmis ~6:1.

Bei Verdacht auf ein Phäochromozytom
(katecholaminproduzierender Nebennierenmark-Tumor aus chromaffinen Zellen) wird
 
      die Ausscheidung von Katecholamin-Abbauprodukten - (Nor-)Metanephrin, Vanillinmandelsäure - mit dem Harn sowie
 
      ein Magnetresonanztomogramm, Computertomogramm oder Szintigramm zur Lokalisation des Tumors herangezogen.


  Adrenalin (Serum) s. dort
 
       Über Stresseinfluss s. dort

 
Nebennierenrinde
 
Je nach Problem sind Mineralcorticoid-, Glucocorticoid- und/oder Sexualhormonwirkungen betroffen. Beispielsweise sind bei verschiedenen Formen des adrenogenitalen Syndroms (AGS) - je nach Enzymdefekt - ganz unterschiedliche funktionelle Abweichungen zu beobachten (z.B. mit oder ohne Salzverlust). Am häufigsten (alle ~10.00 Geburten) findet sich ein Problem mit der 21-Hydroxylase, was zu einem AGS des Typs 3 führt (Abnahme des Aldosterons, Zunahme der Androgene).
   

<Abbildung: Serum-Cortisolverläufe bei Jugendlichen als Funktion der Tageszeit ( vgl. dort)
Nach Knutsson U et al, Circadian cortisol rhythms in healthy boys and girls: relationship with age, growth, body composition, and pubertal development. J Clin Endocrinol Metab 1997; 82: 536-40

Gezeigt sind Einzelverläufe (grau) sowie Perzentilenkurven (5, 15, 50, 75 und 95% aller Beobachtungen)


 
 
Cortisol
s. dort

Aldosteron s. dort


Primäre Nebennierenrindeninsuffizienz kann Symptome wie Hypotonie und Hyperkaliämie hervorrufen (reduzierte Mineralcorticoidwirkung).

Bei einer Nebennierenrindeninsuffizienz (Mb. Addison
) ist der Aldosteronspiegel erniedrigt, bei primärem Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom ) erhöht.

   
  Der Cortisol-Plasmaspiegel schwankt physiologisch mit der Tageszeit (zirkadian) und ist ACTH-Puls-abhängig. Einzelwerte sind daher wenig aussagekräftig.
 
Provokationstests geben eine Auiskunft über die Reaktionsfähigkeit des hypothalamisch-hypophysär-adrenalen Systems:

  
  ACTH-Stimulationstest: Eine insuffiziente Nebennierenrinde reagiert nicht entsprechend auf eine Injektion von ACTH bzw. eines synthetischen ACTH-Analogs. Normalerweise steigt der Cortisolspiegel innerhalb einer Stunde nach z.B. 240 µg ACTH auf >200 ng/ml an.

  
  Insulinbelastungstest (Insulin tolerance test ITT): Dieser Test gilt als Standard für die Funktionsüberprüfung des hypothalamisch-hypophysären Systems. Er wird am liegenden, nüchternen Patienten durchgeführt, am besten vormittags. Insulingabe (0,1 IE / kg KG i.v.) bewirkt Hypoglykämie (auf <40 mg/dl oder 2,2 mM). GH- (um mindestens 3 µg/l oder 20 mE/l) und ACTH-Werte (auf mindestens 550 nM) sollten als Reaktion auf die Hypoglykämie ansteigen.

  
  Beim Dexamethason-Hemmtest sollte die Einnahme (um 24 Uhr) von 2 mg Dexamethason (Steroid mit starkem Glucocorticoideffekt) 8 Stunden später zu einer Senkung des SerumCortisols (auf <80 nM; Normalwerte tageszeitabhängig: ~200 nM um Mitternacht, ~800 nM morgens; Ausschüttung pulsatil) führen. Bleibt eine Senkung des Cortisolspiegels aus, deutet das darauf hin, dass die Glucocorticoidrezeptoren im Hypothalamus desensitiert sind und die negative Rückkopplungsschleife unterbrochen ist (wie dies z.B. bei Patienten mit chronischer Depression beobachtet wird).

  
  Beim Metopirontest (Metyrapon) wird ausgenützt, dass Metopiron die Cortisolsynthese hemmt; Metopirongabe senkt den Cortisolspiegel. Stattdessen wird vermehrt DesoxyCortisol sezerniert; bei gestörter Nebennierenrindenfunktion ("primäre" Störung) bleibt diese Reaktion aus.

Eine Unterfunktion des hypothalamisch-hypophysären Systems (verminderte ACTH-Sekretion: sekundäre Insuffizienz) ist auch bei normaler Antwort auf Metopiron (DesoxyCortisolanstieg) möglich. Das hypothalamisch-hypophysäre System sollte auf das Absinken des Cortisolspiegels mit vermehrter ACTH-Ausschütung reagieren (negative Rückkopplung); der ACTH-Spiegel ist bei einer Störung der Nebennierenrindenaktivität ("primäre" Störung) erhöht (negative Rückkopplung), bei einer ("sekundären") Störung im hypothalamisch-hypophysären Bereich eher erniedrigt.

  ACTH s. dort
 

 

Eine Reise durch die Physiologie


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