



Nierenmark und Gegenstrommechanismus
Bartter-Syndrom: Frederic Bartter| Etwa jedes neunte Nephron liegt so nahe am Nierenmark (juxtamedullär),
dass die Mittelzone seines Tubulus schleifenförmig (Henle'sche Schleife) in diese "osmotische
Sonderzone" eintaucht. Die Osmolalität im tiefen Nierenmark ist um ein Mehrfaches höher (bis 1,5 osmol/l) als im Körper sonst üblich (~0,3 osmol/l). Der absteigende Schenkel dieser Schleife verhält sich eher passiv; er ist wasser-, nicht aber harnstoffdurchlässig (Wasser tritt osmotisch bedingt aus). Beim (dünnwandigen) Anfangsteil des aufsteigenden Schenkels ist es umgekehrt (harnstoffdurchlässig, wasserundurchlässig; Harnstoff tritt ein). Der dickwandige Endteil des aufsteigenden Schenkels schließlich ist sowohl wasser- als auch harnstoffdicht, und er pumpt - unter ATP-Verbrauch - Kochsalz aus dem Tubulus in das Interstitium des Nierenmarks. Dadurch entsteht dessen hohe osmotische Konzentration, während der Tubulusinhalt schließlich hypoton (bis ~0,1 osmol/l) wird. Der Zweck dieses Gegenstromaustausch-Mechanismus besteht darin, die Flüssigkeit im absteigenden Schleifenschenkel "vorzukonzentrieren" (Wasser wandert wegen der hohen Osmolarität des Interstitiums aus dem Tubulus). Dann kann der dickwandige Teil des aufsteigenden Schenkels aus einem bereits hypertonen Reservoir schöpfen und die Kochsalzkonzentration im Interstitium weiter steigern, ohne ein hohes Konzentrationsgefälle überwinden zu müssen. Dieser Multiplikationseffekt spart Stoffwechselenergie. Harnstoff beteiligt sich an diesem osmotischen Konzept, indem seine Konzentration in der inneren Markzone bis auf 0,6 osmol/l ansteigt - bedingt durch seine Rezirkulation im Nierenmark (Transportsysteme in den Sammelrohren, harnstoffundurchlässige absteigende Schenkel) und - energetisch abhängig von der Kochsalzpumpe - im aufsteigenden Schenkel. Vasopressin fördert einerseits die Rückresorption von Wasser (Aquaporine), andererseits die von Harnstoff (Harnstofftransporter). Dadurch minimiert es den Wasserverlust in der Niere (Vasopressin wirkt als "Wassersparhormon") und fördert den osmotischen Konzentrierungsmechanismus. |
Osmotischer Gradient; Schleifendiuretika
Osmotischer Multiplikator
Harnstoffmechanismus
Energiemetabolismus
Druckdiurese
Core messages
)
in Teilen ihres Gewebes und in Harn - verglichen zu anderen
Körperflüssigkeiten - bis auf ein Siebentel zu
senken (→ Wasserausscheidung) oder bis zum Vierfachen zu steigern (→ Ausscheidung
konzentrierten Harns). Die Fähigkeit zu diesem Grad an Verdünnung oder
Konzentrierung ermöglicht die rasche Anpassung an wechselnde
Salz-Wasser-Bilanzen (Trinken vs. Durst, unterschiedliche Salzzufuhr)
und basiert im Wesentlichen auf der Struktur des Nierenmarks, in dem
der Inhalt der Tubuli teils aktiv (Ionenpumpen), teils passiv
(osmotisch) aufbereitet wird.
Abbildung: Kortikales vs. juxtamedulläres Nephron
Zu kortikalen / juxtamedullären Nephronen s. dort
sind kurz (
Abbildung).
, ihre Glomeruli liegen nahe dem Mark,
in das ihre vergleichsweise langen Tubuli tief eintauchen. Sie ziehen
durch die stark hypertonen
Zonen
des tieferen Nierenmarks, was für
Wasserhaushalt und Osmoregulation bedeutsam ist: Die Henle-Schleifen
der juxtamedullären Nephrone ermöglichen einen Gegenstrom-
Austauschmechanismus (countercurrent exchange).
Dieser baut in
energiesparender Weise Zonen hoher Osmolarität im Nierenmark auf.
Die tiefen Regionen des Marks - die Zonen um die Papillenspitzen
- empfangen nur ~1% der renalen Durchblutung (das hilft bei der
Erhaltung der hohen Osmolalität), haben dadurch allerdings einen sehr niedrigen
Sauerstoffpartialdruck (um 10 mmHg) und sind im Wesentlichen auf anaeroben Stoffwechsel eingestellt. Energieintensive Transportprozesse sind hier nicht mehr möglich, was auch in dem Umstand zum Ausdruck kommt, dass die
dünnwandigen Tubulusschleifen aus flachen (nicht zylinderförmigen)
Zellen aufgebaut sind.
Der
"horizontale" Osmolaritätsunterschied, den die tubulären Salzpumpen
der dickwandigen Schleifenzellen überwinden müssen, ist gering, gleichzeitig werden aber
"stockwerkartig" vertikale Osmolaritätszonen im Nierenmark aufgebaut:
Der absteigende
Teil der Henle-Schleife ist für Wasser durchgängig, nicht aber für Harnstoff; die Tubulusflüssigkeit wird durch die zunehmende
Osmolarität im Mark hyperton. Die Wasserdurchlässigkeit erklärt sich durch das Fehlen von tight junctions ("loose junctions"), so kann Wasser parazellulär in das Interstitium eindringen.| Der absteigende Schenkel der Henle-Schleife ist für Wasser sehr gut permeabel |
in der luminalen (apikalen) Membran einen Na+-H+-Austauscher
in der basolateralen Membran Na+-K+-ATPase, K+/Cl--Cotransporter und eine Chlorid-Permease ("Chloridkanal").
Der dünnwandige aufsteigende Teil der Henle-Schleife lässt Harnstoff passieren, nicht aber Wasser (Abbildungen). Diese Partien der Schleife liegen in Zonen niedrigen pO2
(s. oben). Die fehlende Durchlässigkeit für Wasser erklärt sich
einerseits durch die Abwesenheit von Aquaporinen in der Membran der
Epithelzellen, andererseits stark ausgebildete tight junctions - sowohl
der transzelluläre als auch der parazelluläre Weg ist für Wasser
versperrt.| Der
(wasserundurchlässige) dünne Teil der aufsteigenden Henle-Schleife nimmt aus dem Interstitium große Mengen Harnstoff auf |
Im dickwandigen aufsteigenden Teil der Schleife können weder
Wasser noch Harnstoff durchtreten, aber er transportiert aktiv Salze (bei immer noch relativ niedrigem pO2). | Der dicke aufsteigende Teil der Henle-Schleife ist für Wasser undurchlässig |
s. auch dort
Abbildung: Resorption im dicken aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife 
Über die apikale Membran
werden 20-30% der filtrierten Kochsalzmenge elektroneutral mittels Na+/K+/2Cl--Cotransport in der luminalen Membran resorbiert (
Abbildung).
Dieser Carrier funktioniert über den in die Zelle gerichteten
Natrium-Konzentrationsgradienten (angetrieben durch die Na/K-ATPase in der basolateralen Membran); Kalium und Chlorid werden
sekundär-aktiv "mitgeschleppt". Vasopressin
regt
die Expression dieses Transporters an - dadurch wird der Aufbau des
osmotischen Gradienten gefördert, der für die Rückresorption von Wasser
essentiell ist (Vasopressin: "Wassersparhormon"). | Der Na/K/2Cl-Symporter im aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife (apikale Membran) nutzt den Na+-Gradienten zur Resorption von K+ und Cl-, die intrazelluläre Osmolarität steigt an In der basolateralen Membran wird Na+ aus der Zelle gepumpt (Na/K-ATPase), K+ verlässt die Zelle über Kaliumkanäle. Cl- wird im Austausch gegen HCO3- aufgenommen |
Schleifendiuretika. Der Na+/K+/2Cl--Cotransport ist der Motor der renalen Konzentrierungsleistung und des osmotischen Gradienten im Nierenmark. Blockade dieses Systems - durch "Schleifendiuretika" wie Furosemid - verhindert die Wiederaufnahme von Natrium, Kalium und Chlorid und damit die Harnkonzentration im Mark - die Konzentrierungsfähigkeit der Niere sinkt. Dadurch werden diese Elektrolyte vermehrt ausgeschieden und das extrazelluläre Flüssigkeitsvolumen nimmt ab (was z.B. für das Ausschwemmen von Ödemen der gewünschte therapeutische Effekt sein kann).
Abbildung oben), deshalb können Schleifendiuretika zur Behalndlung von Hypercalcämie eingesetzt werden.
Abbildung) - deren fraktionelle Ausscheidung steigt an.| Blockade des Na+/K+/2Cl--Cotransporters steigert die Magnesiumausscheidung |
In die Zelle gelangtes Kalium wird über eine (funktionell gekoppelte) K-Permease (ROMK: Renal Outer Medullary Potassium (K) channel)
in den Tubulus zurückbefördert und steht für weiteren Cotransport zur
Verfügung ("Kalium-Recycling"). Durch diesen Mechanismus wird das Lumen im aufsteigenden Schenkel positiv geladen
(5-10 mV gegen das Interstitium). Da sich nur wenig Kalium im
glomerulären Filtrat befindet, ist das Kalium-Recycling für die
Aufrechterhaltung des Na/K/2Cl-Cotransports notwendig.
Außerdem können Protonen mittels Na+/H+-Austauscher (NHE3, E für exchanger) gegen Natriumionen ausgewechselt werden.
ÜberÜber die basolaterale Membran
wird (mittels Na/K-ATPase) Natrium in Richtung Blut und Kalium in die Zelle gebracht, sowie 
Cl- über eine Chlorid-Permease Richtung Blut transportiert. 
Zusätzlich stehen eine Kaliumpermease (K+-Ausstrom aus der Zelle) sowie ein Cl-/HCO3--Austauscher zur Verfügung (Bicarbonat in das Interstitium, Chlorid in die Zelle).

| Aktiver
Elektrolyttransport im dicken aufsteigenden Teil der Henle-Schleife
baut eine hohe interstitielle Osmolarität im Nierenmark auf |
Parazellulär: Das Lumen ist positiv aufgeladen (+3 bis maximal +15 mV). Das unterstützt die parazelluläre Auswärtsbewegung von Natrium- (~25%, konzentrationsabhängig), Calcium- (25% des insgesamt resorbierten Ca++) und Magnesiumionen (~70% des insgesamt resorbierten Mg++ -
Abbildung oben,
vgl. dort). Dabei wird die Durchlässigkeit der Schlussleisten (tight junctions) für Magnesium durch Paracellin-1 (ein Claudin) gewährleistet (Mutationen dieses Proteins führen zu Hypomagnesiämie, weil weniger Magnesium aus dem Tubulus rückresorbiert wird). 
| Der Hauptanteil des glomerulär filtrierten Magnesiums wird im dicken aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife parazellulär resorbiert |
Die Henle-Schleifen der juxtamedullären (tief ins Mark eintauchenden) Nephrone bilden ein spezielles Protein (Uromodulin, Tamm-Horsfall-Protein
),
das für diese Nephrone spezifisch und im Harn nachweisbar ist (mit ~50
mg/d das am stärksten renal ausgeschiedene Eiweiß). Vermutlich hat es
eine protektive Wirkung gegenüber Ca++-Harnsteinbildung (zusammen mit den Kristallisationsinhibitoren Uropontin und Nephrocalcin) und
bakteriellen Infektionsvorgängen.
Abbildung: Gegenstrom- Multiplikationsprinzip
Der absteigende Schenkel der Henle-Schleife ist für Wasser durchlässig,
die
Schleife selbst sowohl für Wasser als auch für Harnstoff,
der dickwandige
aufsteigende Schenkel weder für Wasser noch für Harnstoff (hier erfolgt
die Verdünnung des Tubulusinhalts auf ~120 mM).
NKCC2, Na/K/Cl-Cotransporter
UT, Harnstofftransporter
Die
Kochsalzkonzentration sinkt schließlich unter
diejenige im Blutplasma (bis auf ~50-100 mosmol/l) - die
tubuläre Flüssigkeit, die in den distalen Tubulus der Rinde gelangt,
ist
also hypoton.
Durch
die Strömung der Tubulusflüssigkeit ergibt sich im Mark ein vertikaler
Osmolaritätsgradient, der Inhalt langer Henle-Schleifen
kann so 5-fach hyperton werden (d.h. bis zu maximal ~1500 mosmol/l).
Kochsalz- und Harnstoffkonzentration und damit Osmolarität nehmen
mit dem Abstand zur Rinden-Mark-Grenze zu. (Wüstentiere mit besonders
"schlanken" Markpyramiden können im Mark Hypertonie bis zu 5000
mosmol/l - etwa das 17-fache der Osmolarität des Blutes - und einen entsprechend konzentrierten Harn aufbauen, und
dadurch extrem wassersparend bilanzieren.) | Der Harn kann bei maximaler Konzentrierung 4-5fach hyperton werden (1200-1500 mosmol/l) |
| Gesteigerte Wasserdurchlässigkeit der Sammelrohre konzentriert den Harn |
Abbildung oben); nur etwa 2% der Perfusion erreichen
die tiefsten Markgebiete (die auch die höchste Osmolarität aufweisen). Filtratvolumen und Osmolarität entlang eines Nephrons![]() Nach Silverthorn, Human Physiology - an integrated approach, 4th ed. Pearson International 2007 |
||
| Lage im Nephron |
Volumen |
Osmolarität |
| Bowman-Kapsel |
180 l/d |
300 mosmol/l |
| Ende des proximalen Tubulus |
54 l/d |
300 mosmol/l |
| Ende der Henle-Schleife |
18 l/d |
100 mosmol/l |
| Ende des Sammelrohrs |
1,5 l/d |
50-1200 mosmol/l |
Abbildung). Harnstoff spielt dabei eine wichtige unterstützende Rolle.
Abbildung: Relative Osmolalität (Plasma: ~290 mosmol/l) der Tubulusflüssigkeit entlang eines Nephrons

Abbildung: Recycling des Harnstoffs im Nierenmark
s. dort)
- kombiniert mit dem Harnstoffrecycling - ergibt einen steilen Anstieg
der interstitiellen Harnstoffkonzentration in Richtung Papillenspitze,
bei etwa gleichbleibender Kochsalzkonzentration (
Abbildung);
demgemäß hängt die Beteiligung des Harnstoffs an der interstitiellen
Osmolalität von der Position im Nierenmark ab, sie steigt mit der Nähe
zu Papillenspitze bzw. Nierenbecken.
Abbildung: Konzentrationsprofile von Kochsalz und Harnstoff 

Abbildung: Harnstoff-Recycling in der Niere unter Antidiuresebedingungen
Abbildung zeigt die Situation im Status einer Antidiurese, d.h. wenn der Harn auf hohe Osmolalität konzentriert wird (negative Wasserclearance).
Bei den medullären Teilen der Sammelrohre wirken also folgende Eigenschaften zusammen:
Ohne Vasopressinwirkung sind sie ziemlich undurchlässig für Wasser, Kochsalz und Harnstoff
Vasopressin steigert die Permeabilität für Wasser entlang der gesamten Strecke
Vasopressin
steigert auch die Permeabilität für Harnstoff, aber nur im inneren
Mark, also im terminalen Abschnitt der Sammelrohre, bevor diese in
einen Nierenkelch bzw. das Nierenbecken münden.
Abbildung: Osmotische Wirkungen von Kochsalz und Harnstoff während Antidiurese
Abbildung). Außerdem erhöht Vasopressin (hoher
Blutspiegel bei Antidiurese) die Harnstoffpermeabilität der
Sammelrohre, dadurch wird der osmotische Hemmeffekt des Harnstoffs auf
die Rückgewinnung von Wasser weiter reduziert.
Harnstoff
s. dort| Die Niere hat eine besonders hohe spezifische Durchblutung |
Die maximale Harnstoffkonzentration im Harn entspricht ~600 mosmol/l. Bei
Antidiurese kann eine Harn-Osmolarität von 1200 mosmol/l (oder etwas
mehr) erreicht werden. Das bedeutet, dass alle anderen im Harn gelösten
Stoffe (vor allem Salze) einen Anteil von nicht viel mehr als ~600
mosmol/l bestreiten können, dann ist das Konzentrationsvermögen der Niere
ausgeschöpft. (Meerwasser hat eine Salzkonzentration von ~1200 mosmol/l,
nimmt man es zu sich, kommt es unweigerlich zu Salzanreicherung und
hypertoner Dehydrierung).
Man
könnte z.B. fragen, wieviel Harn für die Ausscheidung von 600 mosmol im
Harn gelöster (osmotisch wirksamer) Bestandteile mindestens notwendig
ist. Da die maximale Konzentrierfähigkeit der gesunden menschlichen
Niere einen Harn mit 1200 mosmol/l produzieren kann, wären das 600 / 1200
(0,5) Liter.
Schleifendiuretika (loop diuretics) - Furosemid, Bumetanid, Torasemid - fördern die Wasserausscheidung, indem sie die Wirkung des Na+/K+/2Cl-- Cotransportsystems hemmen. Sie können die Natriumausscheidung bis auf
25% der
filtrierten Kochsalzmenge steigern (d.h. um etwa eine
Zehnerpotenz). Gleichzeitig verringern sie die Aufladung des
Tubuluslumens (ROMK, s.
oben) und damit auch die Resorption von Kationen (Calcium, Magnesium -
Schleifendiuretika können gegen Hypercalcämie angewendet werden). | ENaC-Natriumkanäle in spätdistalen Tubuli werden durch kaliumsparende Diuretika gehemmt |
ist eine seltene genetische Erkrankung aufgrund eines Defekts im dicken
aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife. Diese Krankheit bedingt Verlust an Natrium-, Kalium- und Chloridionen und führt zu
Hypokaliämie, Alkalose und eventuell erniedrigtem Blutdruck. | Bartter-Syndrom Typ 2 beruht auf einem Defekt der apikalen K+-Kanäle im dicken aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife und führt zu verringerter Na+-Rückresorption |
Die Nieren des
Menschen können die Osmolalität des Harns 4-5fach senken
(Wasserausscheidung) oder steigern (Konzentrierung). ~12% der Nephrone
liegen juxtamedullär, ihre Henle-Schleifen bauen über einen Gegenstrom-
Austauschmechanismus Zonen hoher Osmolarität im Nierenmark auf, dessen
tiefe Regionen (~1-2% der renalen Durchblutung) anaerob (pO2 ~10 mmHg) und energiesparend hohe Osmolalität aufbauen. Der absteigende Teil der Henle-Schleife ist parazellulär für Wasser durchgängig (Fehlen von tight junctions),
Wasser tritt aus, die Tubulusflüssigkeit wird hyperton. Der dünnwandige
aufsteigende Teil der Henle-Schleife ist für Harnstoff (dieser
diffundiert in den Tubulus), nicht für Wasser durchgängig (tight
junctions, keine Aquaporine) Der dickwandige aufsteigende Teil der Schleife ist für Wasser und Harnstoff unpassierbar, resorbiert aber 20-30% der filtrierten Kochsalzmenge (apikaler elektroneutraler Na/K/2Cl-Cotransporter; Schleifendiuretika hemmen diesen und senken Rückresorption, interstitielle Osmolalität und Konzentrierungsleistung). Kalium gelangt über ROMK in das Tubuluslumen zurück, das es dabei positiv auflädt. Das glomeruläre Filtrat enthält nur wenig Kalium, daher ist das Kalium-Recycling
für die Aufrechterhaltung des Na/K/2Cl-Cotransports notwendig. Das lumen-positive Potential treibt die Ca++- und Mg++-Resorption in das Blut an. Ein Calciumsensor in der basolateralen Membran hemmt bei Erhöhung des extrazellulären [Ca++] den Na/K/2Cl-Cotransporter und damit die Ca++- und Mg++-Aufnahme (und erhöht deren Ausscheidung). Der Na+-Gradient (basolaterale Na/K-ATPase) ermöglicht die Resorption von K+ und Cl- (Chlorid im Austausch gegen Bicarbonat) Kochsalz- und Harnstoffkonzentration sowie Osmolarität nehmen mit der Tiefe des Nierenmarks zu. Durch die
Strömung der Tubulusflüssigkeit baut sich ein vertikaler
Osmolaritätsgradient auf, der Inhalt langer Henle-Schleifen wird
hyperton (bis maximal ~1500 mosmol/l). Aus der Rinde (≤ 290 mosmol/l) kommend, strömt Harn durch diese hypertone Zone und kann bei starker Vasopressinwirkung 4-5fach hyperton werden (1200-1500 mosmol/l). Auch in den
Blutgefäßen des Nierenmarks wirkt ein Gegenstrom-Austauschmechanismus:
Endothelien sind für Wasser und Natrium permeabel, ein osmotischer
Auswascheffekt durch die Perfusion (der die Konzentrationsfähigkeit der Niere
beeinträchtigen würde) bleibt aus. Der dicke
aufsteigende Teil der Henle'schen Schleife und der frühdistale Tubulus
werden zusammen als Verdünnungssegment bezeichnet: Sie entfernen Kochsalz und sind wasserundurchlässig, die
Osmolalität ihres Inhalts sinkt auf 50-100 mosmol/l |
