

Eine Reise durch die Physiologie - Wie der Körper des Menschen funktioniert
Physiologie der Nierenfunktion
und der ableitenden Harnwege

Steuerung
der Nierenfunktion
© H. Hinghofer-Szalkay
Autoregulation: αὐτός = selbst, regula = Latte, Leiste, Maßstab, Regel
Bayliss-Effekt: William Bayliss
Goldblatt-Mechanismus: Harry Goldblatt
Kinine: κινειν = bewegen
Die Durchblutung der Nieren (renale Perfusion ~1
l/min) beträgt bei körperlicher Ruhe etwa 20% des Herzminutenvolumens.
Bei physischer oder psychischer Belastung kann sie wegen des steigenden
Sympathikustonus bis
auf ~0,5 l/min abnehmen (Vasokonstriktion unter
Stresseinfluss).
Die renale Perfusion ist mehrfach reguliert:
-- Sie wird über einen weiten Blutdruckbereich so gut wie konstant gehalten. Diese autoregulative
Fähigkeit beruht auf mehreren Mechanismen: Einer Erhöhung der
arteriolären Konstriktion bei Steigerung von Innendruck und
Wandspannung (Bayliss-Effekt); der Rückwirkung von Salzfiltration auf das vas afferens (tubulo-glomeruläres Feedback); und die Tatsache, dass erhöhter Blutdruck die Wasserausscheidung erhöht (Druckdiurese)
-- Zweitens stehen die Nierengefäße unter dem steuernden Einfluss sympathischer
Fasern. Geringe sympathische Aktivität fördert die Reninbildung (und damit Aldosteronproduktion),
mittelstarke die Kochsalzresorption (direkt), intensive bewirkt renale
Vasokonstriktion
-- Das Nierenenzym Renin wird
auf tubuläre und nervale Einflüsse hin freigesetzt und steht am Anfang
eines breit wirksamen Systems (Angiotensin, Aldosteron), das auf die
Nieren zurückwirkt (Gefäßtonus, Natriurese, Kaliurese, pH-Regulation).
Zu weiteren nierenwirksamen endokrinen Faktoren gehören Vasopressin (erhöht Wasserresorption), natriuretische Peptide (Wirkung siehe Name) und ebenfalls natriuretische Prostaglandine.
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Autoregulation
Neuronale Mechanismen
Humorale Mechanismen
Praktische Aspekte
Core messages
Entsprechend ihrer Bedeutung für die Regulierung des extrazellulären Volumens und dessen
osmotischer Konzentration münden in den Nieren Efferenzen der
Kreislauf-, Volumen- und Osmoregulation (Salzausscheidung,
Wasserausscheidung). Die Nieren werden sowohl neuronal (Sympathikus)
als auch humoral gesteuert (natriuretische Peptide aus dem Herzen,
Vasopressin aus dem Hypothalamus, Aldosteron aus den Nebennieren), sind
andererseits selbst endokrin aktiv (Erythropoetin, Renin, Mediatoren)
und melden ihren Zustand über autonom-nervöse Afferenzen an das Gehirn.
Ihre Perfusion stabilisieren die Nieren durch Autoregulation in einem
weiten Blutdruckbereich.
Die Niere stabilisiert ihre Durchblutung durch Autoregulation selbst
Die Niere kann ihre
Durchblutung über einen großen Bereich arteriellen Drucks
konstant halten (Schlaf, Belastung..). Das stabilisiert die
- perfusionsabhängige - glomeruläre Filtration.
Abbildung: Renale Autoregulation
Nach einer Vorlage bei Cooper ES, Silverstein DC: Fluid therapy and the microcirculation in health and critical illness. Front Vet Sci 2021; 8
Bei entspannten (weiten) Nierengefäßen ergibt sich die hellblau, bei kontrahierten (verengten) die rot gezeichnete Druck-Strömungs-Kurve. Grün dargestellt
ist die Kurve für die renale Durchblutung - diese wechselt in diesem
Beispiel zwischen 60 und 160 mmHg kontinuierlich von der Dehnungskurve
relaxierter zu derjeniger kontrahierter Gefäße (Autoregulation). Der
Autoregulationsbereich (farblich unterlegt) endet bei 160 mmHg
(maximale Vasokonstriktion).
Als Resultat verflacht sich
das Verhältnis Strömung als Funktion des Perfusiondrucks, sodass die
renale Perfusion zwischen ~60 und ~160 mmHg fast unverändert bleibt
Diese als
Autoregulation 
bezeichnete Fähigkeit ist durch mehrere Mechanismen bedingt:
Myogen (Bayliss-Effekt: vermehrte Wandspannung → Ca++-Einstrom in Gefäßmuskelzellen → Vasokontraktion (Abbildungen). Der Hauptangriffsort der renalen Autoregulation ist das vas afferens. Der arterielle Blutdruck kann sich z.B. durch Lageänderung,
Muskelbelastung oder im Schlaf ändern, die autoregulative Antwort der
vasa afferentia stabilisiert Perfusion, Filtrations- und
Reabsorptionsdrucke in den Nieren. Bei niedrigen Blutdruckwerten (z.B.
bei Herzinsuffizienz) beteiligen sich auch die vasa efferentia an der
Stabilisierung der Filtration.
Tubulo-glomeruläres Feedback bedingt (vermehrte Filtration → mehr Kochsalz an macula densa → Feedbacksignale an das Glomerulum durch parakrine Mediatoren →
Kontraktion vas afferens → Filtration zurück in den Normbereich).
Druckdiurese (Flüssigkeitsverlust durch Blutdruckanstieg → erhöhten Filtrationsdruck → vermehrte Wasserausscheidung).
Der Autoregulationsbereich liegt zwischen den Extremen völlig
dilatierter und gänzlich kontrahierter Gefäße. In
beiden Fällen liegt eine typische nichtlineare Strömungs-Druck-Relation
vor; dazwischen liegen Kurven mit unterschiedlichem Kontraktionszustand
(Bayliss-Effekt):

Steigender Blutdruck bedingt Vasokonstriktion.
Links oben: Nach kurzer Dilatation (passiv) nimmt
der Gefäßdurchmesser in Folge der Druckstufe (myogen) ab.
Rechts oben: Der
Bayliss-Effekt ist myogen, d.h. unabhängig vom Endothel.
Unten: Molekularer Mechanismus: Einstrom von Natrium- und Calciumionen durch TRPC-Kanäle - ausgelöst durch dehnungsempfindliche Membranproteine (blau) - führt zu Depolarisierung und Kontraktion der Gefäßmuskelzelle

Dehnungsempfindliche Transmembranproteine - TRPC6 (Transient receptor potential cation channel, subfamily C, member 6) - sind Ionenkanäle, die bei Einwirken von Scherkräften depolarisieren (
Abbildung). Der Signalweg involviert G-Protein, Phospholipase C
(PLC), Diacylglycerin (DAG), Kationeneinstrom durch TRPC6-Permease,
Depolarisierung und elektromechanische Koppelung.
Bei einem arteriellen Druckabfall
tritt der entgegengesetzte Effekt ein: Die Signalkette funktioniert
umgekehrt wie oben geschildert, die Reizung an den TRPC6-Permease lässt
nach, das Membranpotential steigt, die Kontraktion der glatten
Muskulatur - und damit der Strömungswiderstand - sinken. Das kompensiert den Druckabfall und stabilisiert wiederum die Perfusion.
Druckabfall in der a. renalis führt als myogene Reaktion zu Dilatation der vasa afferentia (Autoregulation der Durchblutung)
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Mehr zum Bayliss-Effekt s. dort
Bei zunehmender Kontraktion (d.h. mit steigendem
Blutdruck) gleitet die physiologische Strömungs-Druck-Relation
sozusagen auf Kurven zwischen Dilatation und Kontraktion, die aktuelle
Nierendurchblutung ist in diesem Bereich praktisch unabhängig vom
Blutdruck.
Autoregulation: Bis ~180 mmHg renal-arteriellem Druck bleiben Durchblutung und glomerulärer Kapillardruck weitgehend konstant
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Autoregulation ist auch bei
mit Salzlösung perfundierten isolierten Nierenpräparaten nachweisbar, d.h.
sie ist unabhängig von neuraler oder endokriner Beeinflussung.
Tonuszunahme der vasa afferentia senkt den Filtrationsdruck, Kontraktion der vasa efferentia steigert
ihn; beides erhöht den Fließwiderstand und senkt den Blutfluss. Die
kombinierte Wirkung dieser Faktoren bestimmt das Muster von Perfusion
und Filtration im Nephron.
Die Niere ist mit afferenten und efferenten Nervenfasern ausgestattet
Die
Niere ist mit zahlreichen Nervenfasern ausgestattet.
(Therapeutische Unterbrechung der über die Nierengefäße laufenden
Nervenversorgung - renal sympathetic denervation - führt zu Senkung des Blutdrucks und dessen Variabilität.)
Die
Nieren werden noradrenerg vom Vegetativum gesteuert (Vasokonstriktion,
NaCl-Resorption, Reninbildung) und vermitteln peptiderg
Information von renalen Mechano- und Chemosensoren an das Gehirn

Efferenzen
Die Nieren werden intensiv mit autonomen Nervenimpulsen versorgt: Noradrenalin und Dopamin aus sympathischen Varikositäten
bewirken Vasokonstriktion,
fördern
die Rückresorption von Natrium im proximalen Tubulus
sowie die
Freisetzung von Renin aus dem juxtaglomerulären Apparat (ß-Rezeptor-vermittelt).
Der Sympathikus
wirkt damit volumenkonservierend und erhöht das Blutvolumen.
Die Aktionspotentialfrequenz der sympathischen Efferenzen bestimmt das Wirkungsprofil:
Niedrige Aktivität regt über ß1-Rezeptoren die Reninsekretion im juxtaglomerulären Apparat an, was den Angiotensin-Aldosteron- Mechanismus aktiviert.
Mittlere Aktivität regt über α1B-Rezeptoren die tubuläre Wasser- und Kochsalz-Rückresorption an. Diese Hauptfunktion der sympathischen Beeinflussung der Niere ist
unter Bedingungen beschränkter Verfügbarkeit von Kochsalz besonders wichtig
(bei übermäßigem Salzangebot besteht das Risiko arterieller Hypertonie).
Hohe Aktivität bewirkt über α1A-Rezeptoren Vasokonstriktion und Senkung der renalen Perfusion.
Der sympathische Einfluss auf die Nierengefäße kann intensiv sein: Bei
exzessivem Sympathikustonus (extremer Stress, starker Blutverlust)
sinkt die renale Durchblutung auf praktisch Null. Solche Situationen
gefährden die Nierenfunktion.
Noradrenerge und dopaminerge Wirkungen auf die Niere können gegenläufig sein: Noradrenalin (wirkt auf α1-Rezeptoren) bewirkt Kontraktion und damit Widerstandserhöhung, Dopamin (wirkt auf D1-Rezeptoren) Dilatation
der Nierengefäße und damit verbesserte Durchblutung des betreffenden
renalen Gewebes. Die Noradrenalinwirkung (Widerstandserhöhung) tritt
bei stärkerer Aktivierung des Sympathikus in den Vordergrund (Erhöhung des arteriellen Blutdrucks).
Afferenzen
Die Niere sendet Impulse über Fasern der Nn. splanchnici und des N. vagus zum ZNS. Diese
leiten Information
von arteriellen und venösen Barorezeptoren
(lokaler
Blutdruck) und
Chemorezeptoren im Nierenbecken (Zusammensetzung der
interstitiellen Flüssigkeit: R1-Rezeptoren reagieren auf Hypoxie, R2-Rezeptoren auf das Ionenmuster)
über die Rückenmarksegmente Th10 bis Th12 (Afferenzen vom Ureter betreten das Rückenmark auf der Höhe Th11 bis L2).
Funktionelle Details und klinische Bedeutung neuronaler renaler Afferenzen sind Gegenstand der Forschung.
Die Niere wird endokrin gesteuert und wirkt selbst hormonbildend
Auf
die Nieren wirken mehrere endokrine Faktoren, insbesondere
natriuretische Peptide, Vasopressin, Parathormon, Aldosteron. Die
Nieren selbst produzieren ihrerseits endokrine Faktoren, vor allem
Renin (im iuxtaglomerulären System), Vitamin D (in Zellen der
proximalen Tubuli), Erythropoetin (in interstitiellen Zellen der
Nierenrinde), weiters Prostaglandine (Gefäßmuskelzellen, interstitielle Zellen, Endothelzellen, mesangiale Zellen, Tubulusepithelzellen).
Calciumwirksame Hormone
Parathormon (PTH) aus den Epithelkörperchen der Schilddrüse (glandulae parathyreoideae) hemmt die Phosphatresorption aus dem proximalen Tubulus und regt die Ca++- und Mg++-Resorption aus Henle-Schleife und distalem Tubulus an. Dadurch wirkt es (kurzfristig) erhöhend auf [Ca++] und senkend auf [HPO4--] im Blut.
Calcitonin hemmt den Einbau
des Natrium / Phosphat- Cotransporters im proximalen Tubulus (luminal),
steigert den Einbau von TRPV5-Kanälen und erhöht die Ca
++-Resorption
im distalen Tubulus. Dadurch bewirkt es bei Hypocalcämie eine Senkung
der Rückresorption von Phosphat sowie eine Steigerung der
Rückresorption von Ca
++.
Renin-Angiotensin-Aldosteron-System
Die renale Ausscheidung von Kochsalz wirkt sich über die Osmoregulation automatisch auf das Blutvolumen aus. Das effektive Blutvolumen unterliegt so - abgesehen vom Sympathikus - mehreren hormonellen Steuerungen. Kommt es zu einer Einengung einer Nierenarterie auf weniger als die
Hälfte des normalen Durchmessers, dann löst die mangelnde Perfusion
eine verstärkte Bildung von Renin und Aktivierung des Angiotensin-Aldosteron-Systems
aus, was zu vermehrter Kochsalzresorption, Gefäßverengung und
Steigerung des Blutdrucks führt (sogenannter Goldblatt-Mechanismus
oder renovaskuläre Hypertonie).
Man kann dies so interpretieren, dass die Niere die mangelnde
Durchblutung durch systemische Blutdrucksteigerung zu kompensieren
versucht. (Die Niere ist das einzige Organ, das enzymatisch aktives Renin freisetzen kann.)
Angiotensinrezeptoren
befinden sich in der apikalen und basolateralen Membran der
Epithelzellen im proximalen Tubulus. Werden sie gereizt, stimuliert das
(über Proteinkinase C) Natrium-Wasserstoffionen-Austauscher (NHE3). Im dicken aufsteigenden Schenkel der Henle-Schleife regt Angiotensin II die Expression von NHE3 und NKCC2
(Natrium-Kalium-Chlorid-Cotransporter) an. Im distalen Tubulus wiederum
reguliert es die Aktivität des Natrium-Chlorid-Cotransporters (NCC)
hinauf. Zusammengenommen hat das alles eine gesteigerte Resorption von
Natrium - und eine Erhöhung des extrazellulören Volumens - zur Folge.
Das letzte Glied in der Kette des Renin-Angiotensin-Systems ist Aldosteron.
Es agiert über Mineralkortikoidrezeptoren; diese regen die Expression
von Membrantransportern an (das dauert einige Stunden, daher der
verzögerte Wirkungseintritt). Dass Glukokortikoide mit ihrem wesentlich
höheren Blutspiegel kaum an Mineralkortikoidrezeptoren
wirken, liegt an dem Umstand, dass sie durch ein Enzym (11ß-HSD2,
Hydroxysteroid-Dehydrogenase) abgebaut und so kaum rezeptorwirksam
werden.
So regt Aldosteron die Natriumresorption der distalen Tubuli und der Sammelrohre über MCC und ENaC an. Dieser hormonbedingte Effekt kann bis knapp 10% der Natrium-Rückresorption aus dem glomerulären Filtrat (wo täglich etwa 25.000 mM Na+ anfallen) ausmachen - also bis etwa 2 M/d (entsprechend ~100 g Kochsalz!). Ausfall der Aldosteronwirkung (Mb. Addison) führt zu lebensbedrohlichem Natriumverlust und Kreislaufversagen.
Darüber
hinaus regt Aldosteron apikale Kaliumkanäle (Steigerung der
Kaliumausscheidung) sowie basolaterale Na/K-ATPasen an
(Aufrechterhaltung der Na- und K-Gradienten, welche die meisten
Austauschvorgänge sekundär antreiben).
Vasopressin
Vasopressin
(Arginin-Vasopressin AVP, antidiuretisches Hormon ADH) aus dem hypothalamisch-hypophysären System wirkt über V2-Rezeptoren an
der basolateralen Membran von Tubulusepithelzellen.

Abbildung: Vasopressinwirkung auf Tubulusepithelzelle eines Sammelrohrs
Nach einer Vorlage in Boron / Boulpaep: Concise Medical Physiology, Elsevier 2021
Vasopressin (AVP) bindet an V2-Rezeptoren und bewirkt über Gs und Adenylatcyclase die Bildung des second messenger
cAMP aus ATP, Aktivierung von Proteinkinase A die Phosphorylierung von
Aquaporin 2, das daraufhin in die apikale Membran exozytotisch
eingelagert wird und diese für Wasser durchlässig macht.
Sinkt der Vasopressinspiegel im Blut, überwiegt die Endozytose von AQP2
und die Permeabilität der Zelle fürm Wasser nimmt wieder ab.
Phosphodiesterase baut cAMP ab und reduziert dadurch ebenfalls die
Wasserpermeabilität.
AC, Adenylatcyclase; AP, Aktivatorprotein; AQP, Aquaporin; AVP, Vasopressin; CRE, cAMP responsive element

Vasopressin wirkt als
"Wassersparhormon", indem es die Resorption von H2O durch Einlagerung von Aquaporin 2 in die apikale Membran der Hauptzellen des Sammelrohrepithels erhöht (in der basolateralen Membran sitzt das vasopressinunabhängige Aquaporin 3) sowie auch über CREB die Neusynthese im Zellkern anregt (
Abbildung).
Vasopressin regt aber auch die Resorption von Natrium an, indem
es im äußeren Markbereich Na/K/Cl-Cotransporter
in der apikalen Membran stimuliert - damit ist es ebenfalls
volumenaktiv (Natrium ist das Leitkation der extrazellulären
Flüssigkeit).
Vasopressin steigert die Permeabilität der Wand des inneren medullären
Sammelrohrs für Harnstoff
- durch cAMP-abhängige Phosphorylierung der Harnstofftranspoirter UT-A1
(apikal) und UT-A3 (basolateral) und erleichtert auch auf diesem Wege
die
Resorption von Wasser.
Natriuretische Peptide
Atriale natriuretische Peptide (ANP) regen - im Gegensatz zu den anderen hier erwähnten Aktoren - die Natriumausscheidung
an. Damit agieren sie volumenreduzierend (und, bezogen auf die kardiale
Vorlast, herzschonend). Die Wirkung erfolgt über renale Vasodilatation
und Steigerung der Durchblutung, sowohl in Rinde (erhöhte Natriumlast
an Tubulus und Henle-Schleife) als auch Mark ("Auswaschen" des
Interstitiums und Senkung der Osmolalität). So steigern sie die
Natriumausscheidung.
Erythropoetin
Erythropoetin
(EPO) ist ein Proteohormon, das zum Großteil (90%) von Fibroblasten im
Gewebe der Nierenrinde (beim Fetus vor allem von der Leber) gebildet
wird. Der Einfluss auf die EPO-Synthese ist vielfältig: Metabolisch
anregende Hormone wie Noradrenalin, androgene Steroide,
Schilddrüsenhormone, Adenosin u.a. regen sie an. Insbesondere ist es
aber ein Absinken der Verfügbarkeit von Sauerstoff, der die Nieren zu
einer Steigerung der EPO-Sekretion veranlasst: Arterielle Hypoxie kann
sie um drei Zehnerpotenzen (von etwa 10
1 auf bis zu 10
4
mU/ml) erhöhen. Hypoxie-induzierte EPO-Expression erfolgt über
Disinhibitionen: Aufhebung der (unter normoxischen Bedingungen
bestehenden) Eliminierung sogenannter hypoxieinduzierbarer
Transkriptionsfaktoren (HIF) sowie der hemmenden Wirkung eines Transkriptionsfaktors (GATA-2) auf den EPO-Promotor.
Vitamin D
Calcitriol ist die biologisch aktive Form der
Vitamin-D-Hormone. Es fördert die intestinale Resorption von Calcium- und Phosphationen aus der Nahrung. Dadurch wird der Ca
++-Spiegel
im Blut stabilisiert oder (von einem niedrigen Wert aus) erhöht.
Aufgabe der Niere ist es, die Vorstufe Calcidiol (25-OH-Form) durch
Wirkung einer
renalen 1α-Hydroxylase
zu Calcitriol zu machen. Niedriger Calcium- bzw. Phosphatspiegel im
Blut regt die Aktivität der 1α-Hydroxylase in der Niere an, erhöhter
Calcium- bzw. Phosphatspiegel - wie auch Calcitriol (Selbsthemmung) -
hemmt sie (negative Rückkopplung).
Kurzlebige Mediatoren
Einige
Mediatoren werden in der
Niere gebildet und rasch abgebaut, so dass sie kaum in die Blutbahn
gelangen. Dazu gehören
durchblutungssteigernde Prostaglandine und
Kinine
,
die auch die Salz-Wasser-Ausscheidung fördern. Zahlreiche
vasokonstriktorisch wirkende Stoffe (wie Angiotensin II oder
Endotheline) triggern die Freisetzung vasodilatatorisch wirkender
Prostaglandine in der Niere, was die renale Perfusion stabilisiert.
Thromboxane sind hingegen
durchblutungshemmend und spielen wahrscheinlich bei zahlreichen
Erkrankungen der Niere eine Rolle.
Die
nachfolgende Tabelle gibt eine Übersicht der Wirkungsorte, -mechanismen
und Funktionen von nierenwirksamen / unter dem Einfluss der Nieren
stehenden Hormonen und Mediatoren:
Hormon / Mediator
|
Mechanismus
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Wirkung
|
Wirkungsort
|
Parathormon
|
Starke Hemmung der Phosphatresorption aus dem proximalen Tubulus
Förderung der Ca++- und Mg++-Resorption aus dem distalen Tubulus (Henle-Schleife)
|
Steigerung [Ca++] im Blut, Senkung [HPO4--]
(kurzfristig)
|
Tubulus: Proximal, frühdistal
|
Calcitonin
|
Hemmt Einbau des Natrium/Phosphat-
Cotransporters im proximalen Tubulus (luminal)
Steigert Einbau von TRPV5-Kanälen, erhöht Ca++-Resorption im distalen Tubulus
|
Bei Hypocalcämie: Senkung der Rückresorption von Phosphat, Steigerung der Rückresorption von Ca++ |
Proximaler und distaler Tubulus
|
Natriuretische Peptide
|
Dilatation vas afferens / Konstriktion vas efferens: Filtration +
Erhöhter Blutfluss durch vasa recta (Auswaschen von Kochsalz und Harnstoff aus hypertonem Mark)
Phosphorylierung von Na-Kanälen (ENaC)
Hemmung der Reninsekretion
Senkung der Aldosteronfreisetzung
|
verminderte Na+-Resorption
Natriurese, Diurese
|
Gefäße
Glomerulum
distaler Tubulus
iuxtaglomeruläre Zellen
Nebennierenrinde
|
Angiotensin II
|
Konstriktion vas efferens → glomeruläre Filtration
Stimulierung der Aldosteronfreisetzung
Stimulierung der Vasopressinfreisetzung
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Na+: erhöhte Resorption, verminderte Ausscheidung
+ Wasserresorption
|
Gefäße
Nebenniere
Hypophyse
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Aldosteron
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Expression
/ Insertion v. Na-Permease (ENaC) in apikale Membran, und Na-K-Pumpe in
basolaterale Membran im distalen Tubulus / Sammelrohr
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erhöhte Na+-Resorption
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Sammelrohr
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Vasopressin (ADH)
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Insertion von Aquaporinen in apikale Membran im distalen Tubulus / Sammelrohr
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erhöhte H2O-Resorption
|
Sammelrohr
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Prostaglandine
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Hemmung Na-Permease, Cl-Permease
|
verminderte Na+-Resorption
|
Henle-Schleife, Sammelrohr
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Arterieller
Blutdruckabfall erniedrigt den Filtrationsdruck und bedingt verringerte
Harnbildung - im Kreislaufschock kann vollständige Anurie auftreten. Nierenerkrankungen
führen zu Störungen der Wasser- und Salzausscheidung, der
Blutdruckregulation, des Säure-Basen-Haushalts, der Blutbildung, und
der Ausscheidung harnpflichtiger Stoffe. Ferner sinkt die Bildung von
Mediatoren (Kinine, Prostaglandine) und der Abbau von Peptidhormonen.
Einengung (Stenose) einer Nierenarterie veranlasst die betroffene Niere
zur erhöhten Freisetzung von Renin, und zwar so lange, bis der dadurch
erhöhte Blutdruck (Renin → Angiotensin!) den erhöhten
Strömungswiderstand der betroffenen Niere überwindet und die Perfusion
normalisiert (renale bzw. renovaskuläre Hypertonie, eine sekundäre
Hypertonieform, auch Goldblatt-Hochdruck genannt). Mögliche Therapie:
Nierenarterien-Angioplastie.

Autoregulation ist unabhängig von neuraler oder
endokriner Beeinflussung und ermöglicht der Niere, ihre Perfusion zwischen ~75 (Gefäße dilatiert) und ~180 mmHg
(Gefäße kontrahiert) weitgehend konstant zu halten - bedingt durch mehrere Mechanismen: Myogen (Bayliss-Effekt), tubulo-glomeruläres Feedback
(vermehrte Filtration → mehr Kochsalz an macula densa → Feedbacksignale
an das Glomerulum durch parakrine Mediatoren → Kontraktion vas afferens
→ Filtration zurück in den Normbereich), Druckdiurese (Flüssigkeitsverlust durch
Blutdruckanstieg → erhöhter Filtrationsdruck → vermehrte
Wasserausscheidung). Die Autoregulation stabilisiert auch die
glomeruläre Filtration. Bei arteriellen Druckwerten unter 75 mmHg nimmt die Filtration
druckproportional ab, unter ~25 mmHg Kapillardruck
versiegt die glomeruläre Filtration vollständig
Die Niere ist dicht mit sympathischen (nicht mit parasympathischen) Nervenfasern ausgestattet; ß-adrenerge Efferenzen bewirken Vasokonstriktion (über α1A-Rezeptoren bei hoher sympathischer Aktivität), NaCl-Resorption (über α1B-Rezeptoren bei mittlerer sympathischer Aktivität), Reninsekretion (über ß-Rezeptoren bei niedriger sympathischer Aktivität). Bei exzessivem
Sympathikustonus (extremer Stress, starker Blutverlust) sinkt die
renale Durchblutung auf praktisch Null (gefährdete Nierenfunktion). Dopamin (D1-Rezeptoren) bewirkt Dilatation der Nierengefäße. Peptiderge Afferenzen leiten
Informationen von arteriellen und venösen Barorezeptoren (lokaler
Blutdruck) und Chemorezeptoren im Nierenbecken (Zusammensetzung der
interstitiellen Flüssigkeit: R1-Rezeptoren reagieren auf Hypoxie,
R2-Rezeptoren auf das Ionenmuster) an das ZNS
Die Niere kann
Kinine, Prostaglandine (durchblutungssteigernd), Thromboxane (durchblutungshemmend) bilden und reagiert auf
Parathormon, Calcitonin, Aldosteron, Angiotensin II, natriuretische
Peptide, Vasopressin. Renovaskuläre Hypertonie (Goldblatt-Mechanismus): Einengung
einer Nierenarterie auf <50% des normalen Durchmessers löst eine
Aktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems aus (vermehrter
Kochsalzresorption, Steigerung des Blutdrucks)
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Die Informationen in dieser Website basieren auf verschiedenen Quellen:
Lehrbüchern, Reviews, Originalarbeiten u.a. Sie
sollen zur Auseinandersetzung mit physiologischen Fragen, Problemen und
Erkenntnissen anregen. Soferne Referenzbereiche angegeben sind, dienen diese zur Orientierung; die Grenzen sind aus biologischen, messmethodischen und statistischen Gründen nicht absolut. Wissenschaft fragt, vermutet und interpretiert; sie ist offen, dynamisch und evolutiv. Sie strebt nach Erkenntnis, erhebt aber nicht den Anspruch, im Besitz der "Wahrheit" zu sein.