Humor hilft
  
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Lachen  ist (meist) gesund und kann biologisch viel bewirken - die dahinterliegende Neurophysiologie ist aber noch ziemlich rätselhaft. Man weiß immerhin, dass man sich viele Dinge leichter merkt, wenn sie mit emotionaler Begleitung - insbesondere Humor - gewürzt sind.


Abbildung: Neuronales Netz bei der Auslösung von Lachen im  Gehirn des Menschen
Nach Xue Y, Laughter in chimpanzees and humans. Biology 2012: 342

Zuerst gelangt der Inhalt eines Witzes zu den entsprechenden sensorischen Zentren des Gehirns (optisch, akustisch) und wird dort analysiert. Anschließend erfolgt die Projektion in den Präfrontalcortex (gelber Pfeil: sensorische Eingänge).
 
Der linke Präfrontalcortex erfasst die Pointe des Witzes und aktiviert den rechten Präfrontalcortex, der emotionale Reaktionen einleitet (rote Pfeile), welche die Aktivität skeptischer ("rationaler") Teile des Gehirns unterdrücken und das "Belohnungssystem" aktivieren (nucleus accumbens, Septumkerne). Die Mandelkerne des limbischen Systems werden ebenfalls angeregt, wie auch Kerne im Tegmentum des Mittelhirns, die wiederum auf Präfrontalhirn, Septumkerne, nucleus accumbens sowie Mandelkerne rückwirken (blaue Pfeile).
 
Vermutlich existieren zwei - teilweise unabhängige - neuronale Pfade für die Koordination des Lachens: Ein "emotionaler" (limbisches System, Hypothalamus, Tegmentum) und ein "willkürlicher" (Kontrolle über das Frontalhirn).
 
Motorische Ausgänge (orangefarbener Pfeil) steuern dann das Lachen. Ist dieses "aufrichtig", dauert es länger als "strategisches" Lachen (wenn z.B. der Chef einen Witz erzählt)


Schon vier Monate alte Babies beginnen zu lachen. Ausgelöst wird Lachen im Allgemeinen durch Gefühle der Freude und durch das Empfinden lustiger, humorvoller Gedanken oder Situationen (Schadenfreude über ein Missgeschick Anderer gehört auch dazu, wie zahllose Beobachtungen zeigen - Spiegelneurone sind beteiligt).

Die Bewertung solcher Gedanken oder Situationen ist eine "höchste Hirnleistung" entsprechend zuständiger Gehirnabschnitte. Wird das Lachen durch Gelesenes ausgelöst, steht am Beginn die Verarbeitung visueller Information (optischer Apparat, Netzhaut, Sehzentrum etc.), ist es Gehörtes, gelangt der Witz durch das Innenohr zu Hirnstamm und Großhirn.

Lachen involviert umfangreiche Teile des End- und Zwischenhirns sowie die Atemsteuerung im Hirnstamm. Es wird entweder durch Emotionen ausgelöst, die im Bereich des limbischen Systems entstehen, oder durch Aktivität im präfrontalen Kortex - dieser steuert die Aufmerksamkeit. Dabei werden Endorphine freigesetzt (z.B. im Hypothalamus), was auch das Schmerzempfinden verringert.

Das
limbische System (Hippocampus, Mandelkerne) verleiht dem Lachen die emotional-gefühlsmäßige Dimension.

Der
nucleus accumbens im unteren Vorderhirn ist ein für Motivation und Antrieb zuständiges "Belohnungszentrum" (Abbildung), das bei entsprechenden Reizmustern (u.a. auch bei humorvollen Aktivitäten oder Vorstellungen) angeregt ist und Lustgefühle generiert. Auch
aktiviert der nucl. accumbens motorische Programme (Atem-, Kehlkopfmuskulatur: Lachen).

Auch die Insel beteiligt sich an emotionaler Gefühlsverarbeitung; sie vermittelt Introspektion ("Körperbewusstsein"), wirkt an der Kontrolle von Vokalisation und Sprechen mit und kann Schmerz- und Unlustgefühle verwalten. Insel und nucleus accumbens wirken im Sinne eines emotionalen Gleichgewichts zusammen.


Möglicherweise befindet sich im Tegmentum ein integratives Zentrum, das Emotionen (wie das Signalisieren humorvoller Empfindungen) entsprechend koordiniert auszudrücken erlaubt. Das Großhirn hat dann die Möglichkeit, emotional motivierte Impulse zu fördern, zu unterdrücken, oder vorzutäuschen.

Lachen wird als tiefliegendes Signal des „Senders“ wahrgenommen und löst beim Empfänger - weitgehend unabhängig von der ethnischen Zugehörigkeit - eine Reaktion aus, die entwaffnend und konfliktlösend wirkt. Lachen tragt auf diese Weise unmittelbar zu Aggressionshemmung bei.

Welche und wie viele der am Lachen beteiligten Gesichtsmuskeln aktiviert werden, hängt davon ab, ob das Lachen / Lächeln eine primäre emotionale Gundlage hat (ob es also „ehrlich“ ist) oder eine zugrundeliegende Emotion nur vorgespielt wird („Kampflächeln“).

Lachen ist nicht nur ein Mechanismus, der nach „außen“ wirkt und die Skelettmuskulatur benützt; es ändert auch die „innere“ Situation, indem es z.B. gefäßerweiternd (durchblutungsfördernd) wirkt - vielleicht durch Anregung des Endothels, NO freizusetzen.

Lachen senkt die Bildung von Stresshormonen wie Cortisol oder Adrenalin (diese Hormone steigern den Blutdruck, unterdrücken die immunologische Abwehr und erhöhen die Zahl zirkulierender Blutplättchen). Lachen senkt auf diese Weise (Verringerung der Stresshormonwirkungen) den Blutdruck und stärkt das Immunsystem: Es kommt zu einer Zunahme der Zahl zirkulierender B- und T-Lymphozyten, NK-Zellen, auch von γ-Interferon. Die Menge an sezerniertem IgA (das die Schleimhäute schützt) steigt im Speichel an - ein Zeichen vermehrter Abwehrbereitschaft.

Schließlich nimmt die Durchblutung und der Sauerstofftransport zu Organen und Geweben durch Episoden der Heiterkeit zu: Man schätzt, dass einmal tüchtig Lachen etwa dem Energieverbrauch einer halben Minute Radfahren entspricht.
  
Gute Laune macht vieles leichter - Im Buddhismus wird Heiterkeit als ein Merkmal der Erleuchtung (Bodhi, "Erwachen") gesehen.
  
Übrigens: Die Wissenschaft von den physischen und psychischen Mechanismen und Auswirkungen des Lachens heisst Gelotologie (nach
γέλως = Lachen, λόγος = Lehre).


© H. Hinghofer-Szalkay