Eine Reise durch die Physiologie - Wie der Körper des Menschen funktioniert
 

    
Ernährung und Verdauungssystem

Proteine, Lipide, Kohlenhydrate
© H. Hinghofer-Szalkay

Anabolismus: ανα-βολισμός = Hinauf-wurf (βάλλειν = werfen)
Cholesterin: χολή = Galle, στερεός = fest
Glykolyse: γλυκύς = süß, λύσις = Auflösung
Katabolismus: κατα-βολισμός = Herab-wurf, Kräfteverfall
Lezithin: λέκιθος = Eidotter
Peptid: πεπτός = verdaut
Protein: πρῶτος = Erster (Berzelius meinte, alle Proteine würden auf einer gemeinsamen Grundsubstanz basieren)



Der Bedarf an Makronährstoffen (Proteine, Lipide, Kohlenhydrate) für Aufbau und Funktion ist abhängig von Körpergewicht, Belastungsgrad (physisch, psychisch, immunologisch), Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand, Schwangerschaft und Stillperiode.

Die Körperreserven sind sehr unterschiedlich: Kohlenhydrate werden für den Energiestoffwechsel vor allem in der Leber (70-150 g) und in der Muskulatur (150-300 g) gespeichert - die Leberreserve für den Bedarf anderer Gewebe, wie Gehirn, rote Blutkörperchen oder Nierenmark; die Muskulatur utilisiert ihre Reserve selbst. Die Kohlenhydratzufuhr trägt etwa die Hälfte der gesamten Energiezufuhr - abhängig von der Ernährungsform (Zufuhr von Fetten) und vom Ausmaß an Muskelbelastung (Spitzenbelastungen verlangen kurzzeitig teils anaerobe Nutzung von Glucose, Dauerbelastung vorwiegend freie Fettsäuren).

Lipide werden vor allem als Neutralfette in Adipozyten gespeichert (Durchschnittswert ~15 kg) - eine lange nutzbare Reserve (beim Abbau der Neutralfette entstehen Fettsäuren und Glyzerin). Die Leber kann aus freien Fettsäuren Ketone bilden, die in Hungerperioden für das Gehirn nutzbar sind (Ketose). Insgesamt sollten nicht mehr als 30% der Energie in Lipidform zugeführt werden; wirklich notwendig ist die Zufuhr essentieller Fettsäuren.

Proteine (Körperspeicher 6-12 kg) werden für den Energiestoffwechsel nur ausnahmsweise genutzt (Katabolismus); sie sind u.a. Quelle von Stickstoff- und Schwefelverbindungen. Der Pool an freien Aminosäuren einer erwachsenen Person beträgt etwa 130 g, der Großteil davon findet sich in der Muskulatur (~1% im Blut). Als optimale Eiweißzufuhr wird ein Wert von 0,8 g pro kg Körpermasse pro Tag angesehen, bei besonderen Anforderungen bis zu ~2 g/kg/d.


Übersicht
Proteine Lipide Kohlenhydrate  Vergleichstabelle

Core messages
 
Makronährstoffe sind Proteine, Kohlenhydrate und Fette
 
Der Bedarf an Nahrungsstoffen (Makronährstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß; Mikronährstoffe: Mineralien, Spurenelemente, Vitamine) hängt in erster Linie ab von

      Körpermasse (Bedarfswerte pro kg KG anzugeben) und
 
      Körperlicher Belastung / Aktivität (Tagesumsatz kann sich bis zu etwa verdreifachen, z.B. von ~8 auf >20 MJ/d)
 
      Alter (Umsatz pro kg KG sinkt mit dem Alter, nimmt aber bei Wachstumsschüben zu)
 
      Geschlecht (Körperzusammensetzung: Männer - höherer Anteil an Muskelmasse an KG, Frauen - höherer Anteil an Fettmasse an KG)
 
      Psychischer Belastung (Bedarf kann mit Belastung zunehmen)
 
      Gesundheitszustand (z.B. erhöhter Bedarf im Postaggressions-Stoffwechsel)
 
  Über das System der Energieversorgung durch Fette, Kohlenhydrate und Protein s. dort
 
  Zu den Energiespeichern im Körper s. dort
 
      Der Speichel enthält folgende Enzyme: α-Amylase (Ptyalin), Speichellipase (weiters Kallikrein, antimikrobielle Enzyme) -   s. dort
 
      Das Magensekret enthält folgende Enzyme: Pepsin(ogen), Magenlipase -   s. dort
 
      Das Pankreassekret enthält folgende Enzyme: Amylase, Trypsin(ogen), Chymotrypsin(ogen), Carboxypeptidase, Elastase, Lipase-Colipase, Phospholipase, Cholesterinesterase -   s. dort

      Die Dünndarmschleimhaut produziert folgende Faktoren: Enterokinase, Peptidasen (Dipeptidase, Aminooligopeptidase) und Disaccharidasen (Maltase, Sucrase, Laktase, Trehalase, Isomaltase) -   s. dort
 
Enzyme werden entweder im Darmlumen frei gelöst wirksam (luminal / cavital digestion), oder an die apikale Membran von Enterozyten gebunden (contact / membrane digestion). Während ihrer Lebensspanne (3-6 Tage) bilden Enterozyten ihre membrangebundenen Enzyme mehrmals nach (Resynthese).

Die Resorption der Nahrungsstoffe erfolgt nach deren Passage der Schleimschicht (unstirred layer) und der Glykokalyx der Mikrovilli durch die apikale (luminale) Zellmembran durch passive und erleichterte Diffusion sowie aktiven Transport. Anschließend gelangen sie (z.T. verändert) durch die Zelle - einige, wie Ionen und Wasser, diffundieren auch parazellulär -, dann durch die Basalmembran (wiederum mittels verschiedener Transportsysteme) und schließlich durch Kapillarwände, um schließlich den Blutkreislauf (oder Lymphe) zu erreichen.
 
Proteine
 

Der Körper besteht zu ≥15 Masse-% aus Eiweiß, davon befindet sich etwa die Hälfte in der Skelettmuskulatur. Proteine sind die einzigen Stickstoffträger, die der Körper verwerten kann, und allgemein die wichtigsten biochemischen Funktionsträger des Körpers. Sie werden als Bausubstanzen (Kollagen macht ~1/3 der gesamten Proteinmasse des Organismus aus), Funktions- (z.B. Enzyme) und Informationsträger (z.B. Hormone) sowie als Erkennungsmoleküle (z.B. Antikörper, Rezeptoren) benötigt und können auch als Energieträger herangezogen werden (12-15% des Nahrungsenergieumsatzes, gesteigert z.B. im Hungerzustand).

Nimmt der Organismus Eiweiße aus der Nahrung auf, kann er diese oxidieren und direkt Energie gewinnen, zur Neusynthese von körpereigenem Protein oder für den Aufbau von Glycogen heranziehen (>Abbildung):
 

>Abbildung: Postprandiale Speicherung von Protein
Nach einer Vorlage in Boron / Boulpaep: Concise Medical Physiology, Elsevier 2021

Die Leber nimmt den Großteil der im Darm resorbierten Aminosäuren auf, insbesondere gluconeogene (solche, aus denen Glucose gebildet werden kann).
 
Verzweigtettige Aminosäuren (Valin, Leucin, Isoleucin) werden weniger von der Leber als von der Muskulatur aufgenommen. Sie hemmen den Proteinabbau (das macht auch Insulin) und regen auch ein wenig die Proteinsynthese an


Der (auf das Körpergewicht normierte) Eiweißbedarf einer erwachsenen Person beträgt typischerweise ~0,8 g/kg/Tag (>65 Jahre: 1 g/kg/Tag). Kleinkinder (bis 2,5 g/kg/Tag), Schwangere (~1 g/kg/Tag), Sportler, oder Patienten nach einem chirurgischen Eingriff kommen damit nicht aus: Bei ihnen steigt der Eiweißbedarf. Auch die Qualität der Nahrungsmittel muss berücksichtigt werden: Während ein Anteil von 20% an essentiellen Aminosäuren an der Eiweißzufuhr beim Erwachsenen ausreicht, liegt dieser Wert für Kleinkinder bei 40%.

Nahrungseiweiß liefert Aminosäuren sowie Schwefel- und Stickstoffverbindungen; 8-9 der 20 Aminosäuren (proteinogene L-Aminosäuren), die der menschliche Körper verwendet, sind essentiell, d.h. der menschliche Organismus verfügt nicht über die Enzyme, die zu seiner Synthese vonnöten sind ( s. dort). Peptide können ausschließlich aus Aminosäuren aufgebaut sein (Oligopeptide: ≤10 Aminosäuren, Polypeptide: ≤100 Aminosäuren, darüber: Proteine), zusammengesetzte Proteine aus einem Aminosäure- und einem Nichtproteinanteil, wie Lipiden (Lipoproteine), Sacchariden, Nukleinsäuren, Porphyrinen, Metallen.
 

<Abbildung: Proteinumsatzwerte bei einer gesunden erwachsenen Person (~70 kg KG) im steady state
Werte nach Biesalski / Bischoff / Pirlich / Weimann: Ernährungsmedizin. 5. Aufl. 2018, Thieme-Verlag

Der Umsatz in der Muskulatur beträgt etwa 75, in der Leber 50, in Schleimhäuten 40 und in Blutkörperchen 30 Gramm Protein pro Tag


Der Eiweißumsatz eines erwachsenen Menschen beträgt etwa 300 g/Tag (<Abbildung), entsprechend 3-4 g/kg KG (bei Säuglingen und in Wachstumsperioden 4-6,5 g/kg). Zu den Proteinen in der Nahrung kommen noch etwa 40 Gramm von abgeschilfertem Darmepithel sowie sezernierten Eiweißen.

Der Proteinumsatz lässt sich über die Stickstoffausscheidung ermitteln: Diese beträgt
54 mg/kg KG und entspricht einem Proteinverlust von 0,35 g/kg KG. Dieser Wert wird als "absolutes Eiweißminimum" bezeichnet; die WHO definiert als minimalen Proteinbedarf 0,45 g/kg KG. Unter Berücksichtigung von Begleitfaktoren - wie Wertigkeit des aufgenommenen Eiweißes oder Verdaulichkeit der Nahrung - wird für gesunde erwachsene Personen das Eiweißoptimum als 0,8 g/kg KG angesehen.

Bei schwangeren und stillenden Frauen sowie Säuglingen und heranwachsenden Personen (und auch bei Frühgeborenen) - und bei Patienten mit erhöhtem Reparaturaufwand (Muskelbelastung, Stress, Verbrennungen, Postaggressionsstoffwechsel) - ist der Eiweißbedarf deutlich gesteigert.

Das Verhältnis von Gesamteiweiß in den Geweben zu Plasmaeiweißpool beträgt ziemlich konstant 33:1 (Proteinreserve).

Die Qualität der Nahrungsproteine hängt von deren Aminosäurezusammensetzung sowie der Verdaulichkeit ab (biologische Wertigkeit). Sie ist allgemein höher bei Proteinen tierischer (im Vergleich zu solcher pflanzlicher) Herkunft.

  Zu  essentiellen Aminosäuren s. dort

Glutamin trägt zu ~20% zum extrazellulären Aminosäurepool bei und ist damit die konzentrationsmäßig führende Aminosäure im
Blutplasma. Es wird nicht nur als Bausteinmolekül genutzt (Proteinsynthese), sondern auch als Energieträger. Auch ist Glutamin im Tripeptid Glutathion (GSH) enthalten (Glutaminsäure, Cystein, Glycin). Glutathion findet sich in fast allen Zellen, auch in Körperflüssigkeiten (Kammerwasser, Bronchialsekret), und wirkt als Antioxidans (z.B. in Erythrozyten, in denen fortwährend Sauerstoffradikale entstehen). Das Blutplasma enthält ~3g Cystein in Form von Glutathion, entsprechend einer Cysteinreserve für 3 Tage (SH-Quelle).
 
  Zur Eiweißverdauung s. dort
 
Lipide
 

Der Körper benötigt Lipide

      als Energielieferanten (Fettsäuren) und Energiespeicher (Neutralfette)

      für mechanische Polsterung (z.B. Nierenfett) und thermische Isolierung (Unterhaut)

      in zellulären Membranen (Außenhaut, Zellorganellen - Phospholipide, Cholesterin)

      in Nervenscheiden (Beeinflussung der Leitungsgeschwindigkeit)

      als Signalstoffe (z.B. Steroidhormone, Eikosanoide)

      als fettlösliche Vitamine

      als Träger von Geschmacks- bzw. Aromastoffen
 

>Abbildung: Struktur der wichtigsten Lipide
Nach einer Vorlage in Boron / Boulpaep: Concise Medical Physiology, Elsevier 2021

Lipide stammen aus tierischer / pflanzlicher Kost sowie aus dem Organismus selbst. Sie enthalten Kohlenstoff, Wasserstoff, etwas Sauerstoff, manche auch Stickstoff und Phosphor


Lipide, die im Darm resorbiert werden, stammen einerseits aus der Nahrung (über 90% Triglyzeride), andererseits aus dem Körper selbst (endogene Lipide: Phospholipide und Cholesterin aus der Galle, Membranlipide aus abgeschilfertem Darmepithel).

Die Löslichkeit von Fettsäuren in wässrigen Medien ist durch ihre Kettenlänge bestimmt: Je kürzer, desto besser (mit 4-6 C-Atomen sehr gut, ab 14 C-Atomen unlöslich).

Sättigung: Liegen zwischen den C-Atomen ausschließlich Einfachbindungen vor,
bezeichnet man die Fettsäure als gesättigt (d.h. mit Wasserstoffatomen). Weist die Fettsäure C=C-Doppelbindungen auf, bezeichnet man sie als ungesättigt. Je größer die Zahl der Doppelbindungen, desto flüssiger (bei Raumtemperatur) und reaktiver der Stoff.

Die Zahl der C-Atome, die der Doppelbindungen, sowie die Position der ersten Doppelbindung (vom Methylende der Fettsäure) wird in Klammern angegeben - z.B. "Arachidonsäure (20:4, ω-6)".

Omega-3-Fettsäuren: α-Linolensäure (18:3,
ω-3) wird von Leber und Leukozyten zu Eicopentaensäure (20:5, ω-3) und Docosahexaensäure (22:6, ω-3) metabolisiert (diese beiden kommen reichlich in Meeresfischölen vor). Das Muster der im Körper eingelagerten ω-3-Fettsäuren ist sowohl von der Ernährung als auch von enzymatischen Umwandlungen abhängig. Bestimmte Gewebe sind sehr reich an Docosahexaensäure (Gehirn, Netzhaut, Hoden), und im Tierversuch zeigt sich eine Abhängigkeit kognitiven Verhaltens vom ω-3-Fettsäureangebot mit der Kost.

Omega-6-Fettsäuren: Linolsäure (
18:2, ω-6) kann zu Arachidonsäure (20:4, ω-6) metabolisiert werden. Sie ist - wie die α-Linolensäure - eine essentielle Fettsäure.

Die folgende Abbildung zeigt, wie Nahrungsfett im Körper gespeichert wird:
 

<Abbildung: Postprandiale Speicherung von Lipiden
Nach einer Vorlage in Boron / Boulpaep: Concise Medical Physiology, Elsevier 2021

Die Fettaufnahme im Dünndarm - vor allem Duodenum - involviert Lipasen, die Triglyceride (TAG: triacylglycerol) zu Glycerin und Fettsäuren (FA, fatty acids) spalten. Enterozyten verestern diese wieder zu Triglyceriden und sezernieren diese in Chylomikronen verpackt, welche über intestinale Lymphgefäße (Chylusgefäße, die Darmlymphe heisst Chylus), ductus thoracicus und Venenwinkel in den systemischen Kreislauf gelangen. Lipoproteinlipase in Gefäßwänden spaltet aus Chylomikronen Fettsäuren (FA) ab, die von Fettgewebe zur Lipogenese genutzt werden können.
 
Einige der Fettsäuren dienen der Energieproduktion, die anderen werden in Triglyceride (TAG) eingebaut. Insulin fördert die Glucoseaufnahme (über GLUT4) und die Synthese der Lipoproteinlipase


  Eine typische Tagesration enthält in unseren Breiten 100-140 g Fett, was ungefähr die Hälfte des Energiebedarfs deckt. Dieses Fett in der Nahrung besteht zu >90% aus Triglyzeriden, 4-6 g/d sind Phospholipide (Zellmembranen) und ~0,5 g/d Cholesterin. Endogen sind 10-15 g/d Phospholipide (vorwiegend Phosphatidylcholin) und 1-2 g/d Cholesterin aus der Galle (das 2-4fache der Menge an Phospholipiden und Cholesterin in der Nahrung). Weitere 2-6 g Lipide stammen aus abgeschilfertem Darmepithel; dazu kommen ~10 g/d Lipide aus abgestorbenen Bakterien im Dickdarm.

Empfohlen wird eine alimentäre Zufuhr von ≤30% des Energiebedarfs in Form von Lipiden, mit einem Anteil an gesättigten Fettsäuren von maximal 10% und von 10-13% an einfach ungesättigten Fettsäuren.
Essentielle Fettsäuren müssen mit der Nahrung zugeführt werden, da der Körper nicht über das zu ihrer Synthese nötige Enzymsystem verfügt. Das gilt insbesondere für die Linolsäure: Diese findet sich vor allem in Ölen (Sonnenblumen-, Weizenkeim-, Soja- und Maiskeimöl bestehen etwa zur Hälfte aus Linolsäure, Margarine zu ~10%, Butter zu ~3%); die Linolsäurezufuhr soll 2,5% der täglich zugeführten Energie entsprechen. Die Zufuhr an α-Linolensäure soll 0,5% der täglich zugeführten Energie ausmachen.
 
Desaturase: Der Körper kann die Fluidität der Zellmembranen durch Synthese von Δ9-Desaturase regulieren; dieses Enzym baut in Fettsäuremoleküle zwischen C9 und C10 eine Doppelbildung ein. So entsteht Ölsäure (18:1, ω-9), welche auch die wichtigste einfach ungesättigte Fettsäure in der Nahrung darstellt (man findet sie in allen Naturfetten).
 
  Proteine, Insulin, cholesterinreiche Kost steigern die Desaturase-Aktivität, die Zellmembranen werden geschmeidiger
 
  Beim Fasten sowie bei Personen mit Diabetes mellitus ist die Desaturase-Aktivität gesenkt, die Fließfähigkeit der Membranen nimmt ab

Trans-Fettsäuren: Natürliche ungesättigte Fettsäuren liegen überwiegend in der Cis-Konfiguration vor. In großer Menge entstehen trans-konfigurierte Fettsäuren bei künstlicher Hydrierung (u.a. von Ölsäure: Härtung von Speisefetten, Frittieren, Margarine, Salatsaucen etc). Trotz ihrer Doppelbindungen wirken sie atherogen; ihr Anteil sollte nicht über 1% der aufgenommenen Nahrungsenergie liegen.
 

>Abbildung: Verwertung von Triglyzeriden

Der Triglyzeridabbau (Lipolyse) wird u.a. angeregt durch Katecholamine (Adrenalin), ACTH und Glukagon.
 
Freie Fettsäuren werden vor allem vom Muskelgewebe genutzt, die Leber kann aus ihnen Ketonkörper bilden (Hungerzustand); Glyzerin baut sie zu Glucose um


Triglyzeride werden in Fettzellen gespeichert (bis ~0,5 µg/Zelle) und unterliegen mittels Lipolyse und Wiederveresterung ständigem Austausch. Der Abbau zu freien Fettsäuren und Glyzerin wird durch Aktivität des Sympathikus (Noradrenalin), der Nebennierenrinde (ACTH), des Nebennierenmarks (Adrenalin) und von Glukagonproduzenten (vor allem pankreatische α-Zellen) angeregt (>Abbildung).

Freie Fettsäuren und aus ihnen (in der Leber) gebildete Ketone werden von vielen Geweben (vor allem Muskulatur) zur Energieversorgung utilisiert, Glyzerin kann in der Leber (über Glyzerinphosphat) zu Glucose verwandelt und diese zur Stabilisierung des Glucosespiegels exportiert werden (
s. Blutzuckerregulierung).

Auf Glucose als Energieträger weitgehend exklusiv angewiesen sind das Gehirn, Erythrozyten, das Nierenmark sowie Fibroblasten.
 
    Zum Cholesterinsystem s. dort
 
    Zur Fettverdauung s. dort
 

Kohlenhydrate
 

Ein typisches Ernährungsmuster enthält etwa 50 Gewichtsprozent (~300 g) Kohlenhydrate - Mono-, Di-, Oligo- und Polysaccharide: ~50% Stärke (starch / amylum), ~30% Saccharose (sucrose), ~6% Laktose, 1-2% Maltose; der Rest entfällt auf Trehalose, Glucose, Fruktose, Sorbit, Zellulose, Hemizellulose und Pektine.

Nach einer an Kohlenhydraten reichen Mahlzeit hat der Organismus mehrere Möglichkeiten: Einerseits werden Kohlenhydrate nach ihrer Resorption zur Energiegewinnung "verbrannt", andereseits werden sie zum Aufbau von Energiespeichern (Glycogen, Triglyceride) herangezogen (<Abbildung). Der Glucosespiegel im Blut wird dabei in einem physiologischen Bereich gehalten, was einerseits durch Anregung der Glucoseverwertung - vor allem durch Leber und Muskulatur -, andererseits Hemmung der hepatischen Glucoseproduktion erreicht wird (niedrige Glucagon-, hohe Insulinausschüttung).
 

<Abbildung: Postprandiale Nutzung von Kohlenhydraten
Nach einer Vorlage in Boron / Boulpaep: Concise Medical Physiology, Elsevier 2021

Aus dem Darm aufgenommene Glucose wird z.T. von der Leber (links), z.T. von peripheren Geweben verwertet (rechts).
 
Die hepatische Speicherform ist Glycogen. Dieses entsteht über einen direkten Weg aus resorbierter Glucose (durch Insulin gefördert) oder auf einem indirekten Weg über Gluconeogenese (durch Glucagon angeregt).
 
Die Leberzellen verfügen über Citratlyase und können so über Acetyl-CoA Neutralfette bilden, die dann in VLDL verpackt in den Kreislauf kommen. Lipoproteinlipase in Gefäßwänden spaltet daraus Fettsäuren (FA: fatty acids) ab, die von Fettgewebe zur Lipogenese genutzt werden können.
 
Glucose, die nicht von Leberzellen aufgenommen wurde, wird vor allem von quergestreiften Muskelzellen genutzt - zur glycolytischen Energiegewinnung und Glycogensynthese, oder sie gelangt in Form von Lactat oder Aminosäuren (wie Alanin) zur Leber zurück. Die Glucoseaufnahme wird durch den erhöhten Blutzuckerspiegel, aber vor allem durch Wirkung von Insulin (via GLUT4) angeregt.
 
Das gilt auch für Fettzellen, die allerdings trotz ihres hohen Gewichtsanteils (10-15% KG bei Männern, 25-30% bei Frauen) nur einen relativ kleinen Anteil der mit der Nahrung aufgenommenen Glucose metabolisieren (der Grund ist ihre niedrige Stoffwechselrate und ihre geringe Menge an Citratlyase). Adipozyten bilden aus Glucose Glycerin-3-Phosphat, welches das "Rückgrat" für die Synthese von Neutralfetten darstellt. Bei einem kalorischen bzw. Glucoseüberschuss verlegen sich Adipozyten auf die de-novo-Synthese von Triglyceriden (Zunahme an Fettgewebe bei Kohlenhydratmast).


Der Körper benötigt Kohlenhydrate
 
      für die Energieversorgung (diese erfolgt zur Hälfte aus Kohlenhydraten)
 
      als Baustoffe (Glykoproteine und Glykolipide in Zellmembranen, Proteoglykane im extrazellulären Maschenwerk, Zelladhäsionsmoleküle (interzelluläre Adhäsion sowie zwischen Zelle und extrazellulärer Matrix), Bestandteile von Nukleiden (Desoxyribose in DNA, Ribose in RNA), Muzine, Kohlenhydratanteil in Plasmaglobulinen
 
      für Biosynthesen, bei denen Kohlenhydrate verbraucht werden: Fettsäuren, (nicht-essenzielle) Aminosäuren, Nukleotide (Pentosephosphatweg, <Abbildung)
 
     für Signalübertragungszwecke (Membranrezeptoren, interzelluläre Verbindungen)

  Die Zufuhr von Kohlenhydraten ist nicht essentiell - sie können im körpereigenen Stoffwechsel aus Aminosäuren, theoretisch auch aus Fetten gebildet werden. Die Empfehlung der WHO läuft auf eine Zufuhr von 5-6 g/kg/d oder 55-60 (-75)% des Energiebedarfs in Form von Kohlenhydraten hinaus - vor allem hochmolekular (Vollkornprodukte u.a.), Mono- und Disaccharide sollten nicht mehr als 10% der Gesamtzufuhr ausmachen.

Der tägliche metabolische Umsatz beträgt bei erwachsenen Personen ~200 g/d, das Gehirn alleine verbraucht etwa 140 g/d (7 mg Glucose / 100g / min).
Die minimale Kohlenhydratzufuhr wird mit 10% des täglichen Energieumsatzes veranschlagt (~1 g/kg), um übermäßigem Proteinabbau und Lipolyse / Ketogenese vorzubeugen.
 
Als "Zucker" im engeren Sinne werden Mono- und Disaccharide bezeichnet:

Monosaccharide:

      Hexosen (6 C-Atome), wie Glucose (Traubenzucker), Fruktose (Fruchtzucker), Galaktose (Schleimzucker), Mannose
 
      Pentosen (5 C-Atome), wie Ribose, Arabinose, Xylose

       
Man unterscheidet bei den Monosacchariden weiters nach der Position des Carbonylsauerstoffs (=O)

      Aldosen (der Carbonylsauerstoff befindet sich an einem C-terminalen Ende) - z.B. Glucose, Galaktose, Ribose - und
 
      Ketosen (der Carbonylsauerstoff befindet sich an einem anderen C-Atom, meist C-2 - z.B. Fruktose, Ribulose (Abbildungen)

Disaccharide:

      Saccharose (Glucose und Fruktose, α-1,2-glykosidisch verknüpft - auch Rohr-, Rüben-, Kristall-, Haushaltszucker) wird aus Zuckerrüben, Zuckerrohr oder Ahornsaft gewonnen und ist das wichtigste Süßungsmittel der menschlichen Nahrung
 
      Laktose (Glucose und Galaktose, ß-glykosidisch verbunden) wird fast ausschließlich in Milchdrüsen von Säugetieren synthetisiert ( Anteil in der Milch s. dort). Bei Laktasemangel im Darm entsteht Laktoseintoleranz (vorwiegend in sonnenreichen Weltregionen), Kinder haben mehr Laktaseaktivität als erwachsene Personen
 
      Maltose (2 x Glucose α-1,4-glykosidisch) und Isomaltose  (2 x Glucose α-1,6-glykosidisch verknüpft) kommt zumeist als Produkt der Hydrolisierung von Stärke in der Nahrung vor (Keimen / Mälzen von Getreide) und entsteht bei der Verdauung von Stärke im Darm

Oligosaccharide:

      3-9 Monosaccharideinheiten, säureresistent, gelangen in den Dickdarm und werden bakteriell gespalten. Beispiele: Raffinose (Trisaccharid aus Glucose, Galaktose und Fruktose, kommt in Zuckerrüben vor), Maltotriose (entsteht bei der Verdauung von Stärke im Dünndarm) oder Oligofruktosen  (in Bananen, Spargel, Zwiebeln)
 

<Abbildung: Glykogen
Nach einer Vorlage bei  Medical gallery of Mikael Häggström (2014)

Das an Glykogensynthase gekoppelte Enzym Glycogenin im Kern des Glykogenkörnchens ermöglicht molekulare Anlagerung (bis zu ~30,000 Glucosemoleküle) zu Glykogenkörnchen


Polysaccharide:

      ≥10 Monosaccharideinheiten, Molekulargewicht bis über 1 Million kD. Beispiele: Zellulose (mehrere 102-104 D-Glucose-Einheiten, ß-1,4-glykosidisch verbunden, das häufigst vorkommende Polysaccharid), Stärke (das in der Nahrung wichtigste Kohlenhydrat: Amylopektin zu 3/4, Amylose zu 1/4), Glykogen (Glucose α-1,4- und α-1,6-glykosidisch verknüpft, <Abbildung).

Die minimale tägliche Zufuhr an Kohlenhydraten wird auf 10% des Energiebedarfs geschätzt (entspricht ~1 g/kg KG); gesundheitliche Schäden treten auch bei dauerhafter Zufuhr von nur 30 g Kohlenhydraten pro Tag nicht auf.

  Zu Glykogenspeichern im Körper s. dort
  
  Zur Kohlenhydratverdauung s. dort
  
  Zu Ballaststoffen s. dort



Eiweiße
Fette
Kohlenhydrate
Wo? (Nahrungsquelle)
Fleisch, Eier, Milchprodukte, pflanzliches Eiweiß
Öle, Fette
Polysaccharide: Stärke, Glykogen
Disaccharide: Zucker
Monosaccharide: Fruktose
Brennwert (kJ/g)
17
39
17
Kalorisches Äquivalent (kJ/l O2)
20
20
21
RQ (VO2 / VCO2)
0,8
0,7
1,0
Tagesdosis optimal (g/kg KG)
0,8
1,0
3,5
Körperspeicher (g)
10-15
10-20
~500
Wenn alleine metabolisiert:
Energie reicht theoretisch für...
~20 Tage
50-60 Tage
(bei Adipösen entsprechend länger)
Freie Glucose: ≤0,5 h
Glykogen: ≤18 h
Essentielle Bestandteile
Essentielle Aminosäuren
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
?

 

 
      Proteine machen ≥15 Massen-% des Körpers aus, etwa die Hälfte davon in der Skelettmuskulatur: Bausubstanzen (z.B. Kollagen), Funktions- (z.B. Enzyme, kontraktiler Apparat) und Informationsträger (z.B. Hormone), Erkennungsmoleküle (Antikörper, Rezeptoren). Sie liefern u.a. Stickstoff und Schwefel. Das Verhältnis von Gewebe- zu Plasmaeiweiß beträgt 33:1; Blutplasma enthält ~3g Cystein in Form von Glutathion, entsprechend einer Cysteinreserve für 3 Tage (SH-Quelle). Glutamin trägt zu ~20% zum extrazellulären Aminosäurepool bei (führende Aminosäure im Blutplasma). Der Eiweißbedarf einer erwachsenen Person beträgt mindestens ~0,8-1 g/kg KG/Tag (Kleinkinder bis 2,5 g/kg/Tag), der Umsatz üblicherweise ~300 g/d, entsprechend 3-4 g/kg KG (bei Säuglingen und in Wachstumsperioden 4-6,5 g/kg). Bei andauernd starker körperlicher, metabolischer oder immunologischer Belastung sowie in der Schwangerschaft steigt der Eiweißbedarf. Der Anteil an essentiellen Aminosäuren sollte mindestens 20%, bei Kleinkindern 40% betragen
 
      Der Körper benötigt Lipide als Energielieferanten (Fettsäuren) und Energiespeicher (Neutralfette), für mechanische Polsterung (z.B. Nierenfett) und thermische Isolierung (Unterhaut), in zellulären Membranen (Außenhaut, Zellorganellen - Phospholipide, Cholesterin), in Nervenscheiden (Leitungsgeschwindigkeit), als Signalstoffe (z.B. Steroidhormone, Eikosanoide), als fettlösliche Vitamine und als Träger von Geschmacks- bzw. Aromastoffen. Die Kettenlänge bestimmt die Löslichkeit von Fettsäuren in wässrigen Medien (ab 14 C-Atomen unlöslich); je größer die Zahl der Doppelbindungen, desto flüssiger (bei Raumtemperatur). 30% des Energiebedarfs sollte in Form von Lipiden erfolgen, mit einem 10-13%-Anteil von einfach ungesättigten (cis-konfigurierten) Fettsäuren (gesättigte Fettsäuren maximal 10%); die Linolsäurezufuhr soll 2,5%, die an α-Linolensäure 0,5% der täglich zugeführten Energie entsprechen. Freie Fettsäuren werden vor allem von Muskelgewebe genutzt, die Leber kann aus ihnen Ketonkörper bilden
 
      Nahrung enthält typischerweise ~50 Gewichts-% Kohlenhydrate: ~50% Stärke, ~30% Saccharose, ~6% Laktose, 1-2% Maltose. Benötigt werden diese für die Energieversorgung, als Baustoffe (Muzine, Glykoproteine, Proteoglykane, Glykolipide, Zelladhäsionsmoleküle, Nukleotide), für kohlenhydratverbrauchende Biosynthesen, für Signalübertragung (Membranrezeptoren, interzelluläre Verbindungen). Kohlenhydrate können notfalls aus (glukogenen) Aminosäuren gebildet werden. Der tägliche Umsatz beträgt ~200 g/d (davon ~70% für das Gehirn). Die minimale tägliche Zufuhr an Kohlenhydraten wird auf 10% des Energiebedarfs geschätzt (~1 g/kg KG)
 

 

Eine Reise durch die Physiologie


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