Medizinische Physiologie der Leberfunktionen

Sekretion, Transport und Funktion des Gallensekrets


 

© H. Hinghofer-Szalkay

Bilirubin: bilis = Galle, ruber = rot
ductus choledochus: ductus = Leitung (ductare = führen),
χολή = Galle, δοχοι = folgen
Cholekinetikum:
χολή = Galle, κκίνἔω = antreiben, bewegen
Choleretikum: Cholerese = Gallenfluss (χολή = Galle, ῥεῖ = fließen)
Cholezystokinin: χολή = Galle, κύστις = Blase, κίνἔω = antreiben, bewegen
Ikterus: ἴκτερος = Goldamsel
Sterkobilin: stercus = Kot,
bilis = Galle


Die von der Leber sezernierte Gallenflüssigkeit ("Lebergalle") liefert gallensaure Salze für die Fettverdauung (emulgierende Wirkung) und entfernt durch Konjugation wasserlöslich gemachte Stoffe, z.B. Gallenfarbstoffe (Bilirubin) aus dem Abbau des Hämoglobins.

Durchschnittlich 80% des Gallensekrets stammt aus Hepatozyten (kanalikulär), dieser Gallenfluss hat einen basalen und einen durch (parasympathische) Anregung zusätzlich erhöhten Anteil; und 20% aus Zellen der Gallengänge (duktulär). Durch Rückresorption von Flüssigkeit aus der Gallenblase (Kapazität bis zu ≈50 ml) kann die Konzentration der sezernierten Stoffe bis 10-fach konzentriert werden ("Blasengalle").

Der hydrostatische Druck im Gallengangssystem beträgt etwa 10 mmHg. Die Füllung der Gallenblase (Speicherung) wird durch pankreatisches Polypeptid (PP), vasoaktives intestinales Peptid (VIP) und Somatostatin begünstigt, die Kontraktion (Entleerung) durch Cholezystokinin und muskarinerge (parasympathische) Anregung.


Lebergalle: Bildung und Zusammensetzung Steuerung der Gallenblase, Blasengalle Bilirubin

Das Gallensekret, das von den Leberzellen produziert wird - bei erwachsenen Personen 700 (500-1000) ml pro Tag (Lebergalle, Nativgalle, A-Galle, gelbe Galle) - dient der Ausscheidung verschiedener (durch Konjugation wasserlöslich gemachter) Stoffe sowie von gallensauren Salzen (Erleichterung der Fettemulsion - Fettverdauung).

Lebergalle enthält >90% Wasser und Elektrolyte, mehr oder weniger in Blutplasma-ähnlicher Konzentration, sowie organische Inhaltsstoffe, insgesamt auf bis zu fast 20 g/l angereichert:
 
Lebergalle (A-Galle, Farbe: gelb)
Na+
≈150 mM
Gallensalze (Cholat)
25 mM
K+ ≈5 mM
Phospholipide (z.B. Lezithin) bis ≈8 g/l
Ca++ ≈3,5 mM
Cholesterin
≈4 mM
Cl-
≈100 mM
Bilirubin
≈1 mM
pH
≈7,0 ± 0,6 (5,6-8,0)
Enzyme, Hormone, Medikamente...


                 

 


>Abbildung: Funktion und Steuerung eines Cholangiozyten (=Gallengangs-Epithelzelle)
Nach einer Vorlage bei Boron / Boulpaep, Medical Physiology, 1st ed., Saunders 2003

CA = Carboanhydrase ist für die rasche Umwandlung zwischen CO2 und Bikarbonat nötig. Sekretin, Glukagon und VIP steigern die Konzentration von cAMP und fördern die Sekretion, Somatostatin hemmt sie. Natrium und Wasser wandern parazellulär in das Lumen, Chlorid wird apikal sezerniert
   
Bei zystischer Fibrose (Mukoviszidose) liegt eine Fehlfunktion von Chloridkanälen (CFTR: Cystic fibrosis transmembrane conductance regulator) vor, was zu duktulärer Mangelsekretion und Sekreteindickung führt

Produktionsorte: Der Gallefluss (Cholerese) beruht auf der Sekretion von Leberzellen (kanalikulär) und Zellen in den hepatischen Gallengängen (duktulär):

    Kanalikulär: Sekret der Hepatozyten - besteht aus einem
 
     konstanten (gallensäureunabhängigen) Anteil (basal, gelb in der <Abbildung) plus einem
 
     Sekretfluss, der mit der Gallensäuresekretion linear ansteigt (gallensäureabhängig, blau in der <Abbildung).

Konstanter und gallensäureabhängiger Anteil der kanalikulären Cholerese sind bei normaler Verdauung etwa gleich groß. Das Primärsekret ist plasmaisoton (osmotisch bedingtes Nachströmen von Wasser und Natrium).

  Frisch synthetisierte primäre (Cholsäure, Chenodesoxycholsäure) sowie
  über den enterohepatischen Kreislauf rezirkulierte sekundäre Gallensäuren (Desoxycholsäure, Litocholsäure)
werden mit den Aminosäuren Taurin oder Glyzin konjugiert (wasserlöslich gemacht: Taurocholat, Glykocholat) und primär-aktiv (ATP-Verbrauch) sezerniert.

 
  Duktulär: Sekret der Cholangiozyten (>Abbildung) - konstante Flussrate. Bei physiologischem Verdauungsablauf ≈20-30% der Gesamtproduktion an Lebergalle.
 

<Abbildung: Komponenten der Cholerese
Nach einer Vorlage bei Boron / Boulpaep, Medical Physiology, 1st ed., Saunders 2003

Als typisch für normale Verdauungsvorgänge kann gelten, dass ≈20-30% des primären Sekrets Lebergalle aus intrahepatischen Gallengängen stammt ("duktulär"), der größere Anteil aus Hepatozyten: ≈40% basal (gallensäure-unabhängig) und ≈30-40% durch den Gallensäurefluss (osmotisch) angeregt

Im Durchschnitt kommt Lebergalle zu 80% aus Hepatozyten (kanalikulär), zu 20% stammt sie aus Gallengangsepithelien (duktulär).

Anregung der Gallensekretion: Physiologisch wird die Gallenproduktion durch parasympathisch-muskarinerge Aktivität gefördert.

     Wirkstoffe, welche den Gallenfluss (kanalikulär) anregen, nennt man Choleretika
(Anwendung zum Weitertransport von Gallengrieß).

     Cholekinetika sind Stoffe, welche die Entleerung der Gallenblase fördern; Spasmolytika können den Effekt unterstützen (Senkung des Abflußwiderstandes).




Etwa die Hälfte des Gallensekrets gelangt - durch den "Betriebsdruck" von ≈10 mmHg im Gallengangsystem - in die Gallenblase und wird eingedickt - Flüssigkeit wird durch die Wand der Gallenblase (die nur wenige mm dick ist) rückresorbiert. Dabei wird die Gallenflüssigkeit bis auf das 10-fache konzentriert.

Epithelzellen der
Gallenblasenwand ermöglichen mittels Na+-H+- und Cl--HCO3--Austausch (luminale Membran), Na+-K+-ATPase und K+- / Cl--Kanälen (basolaterale Membran) sowie Wasserpermeasen an beiden Membranteilen die Resorption von Wasser und Kochsalz aus dem Lumen ins Blut. Nicht resorbierte Bestandteile der Gallenflüssigkeit reichern sich in der Gallenbase an.

Zurück bleiben 20-50 ml Blasengalle (B-Galle, grün-braune Galle) pro Tag. Deren Zusammensetzung hängt vom Grad der Konzentrierung ab. Im Vergleich zur Lebergalle sind besonders konzentriert: Phospholipide wie Lezithin (Faktor 10:1), Gallenfarbstoffe (5:1 - "grün-braun"!), Kalziumionen (4,4:1) und Gallensäuren (4:1); es folgen Cholesterin (2,5:1) und Kaliumionen (3:1). 
 
Als Durchschnittswerte für die Blasengalle können gelten (Auszug):

Blasengalle (B-Galle, Farbe: grün-braun)
Na+ ≈220 mM Gallensalze ≈95 MM
K+ ≈14 mM Phospholipide (z.B. Lezithin) >30 g/l
Ca++ ≈11 mM Cholesterin ≈17 mM
HCO3-
≈20 mM Bilirubin 4-6 mM
pH
7,0 ± 0,9
Enzyme, Hormone, Medikamente...
 
Auffällig ist die Konzentrierung der meisten Bestandteile im Vergleich zur Lebergalle (s. Tabellen "Lebergalle" vs. "Blasengalle").
 

>Abbildung: Gallensäuren - Pool und Recycling
Nach einer Vorlage bei Wiley-Liss Inc. 1997


Blasengalle kann unter Lokalanästhesie (sonografisch überwacht) mittels Feinnadelpuktion der Gallenblase gewonnen werden.
 

  Über die Resorption der Gallensalze durch Hepatozyten (NTCP-Transporter) s. dort.
 
Durch leichte Ansäuerung der Blasengalle (pH <7,3, bessere Ca++-Löslichkeit) und die ebenfalls hohe Konzentration emulgierender Stoffe (gallensaure Salze 50-200 mM, Phospholipide 20-30 mM) kann Kristallisation verhindert werden (mehr über gallensaure Salze s. dort).

Gallensäurepool: Gallensäuren unterliegen zum Großteil dem enterohepatischen Kreislauf, auf diese Weise werden sie bis zu 10-mal täglich rückresorbiert und erneut ausgeschieden. Der Gallensäurepool eines Menschen beträgt 2 bis 5 Gramm; mit dem Stuhl ausgeschieden werden nur ≈0,5 g/d (diese Menge muss neu synthetisiert werden).

  Fassungsvermögen: Die Gallenblase des Erwachsenen kann bis zu 50 ml Flüssigkeit halten. Es gibt Faktoren, welche die Füllung begünstigen (Relaxation), während andere die Kontraktion und damit Entleerung der Gallenblase anregen (Cholerese):

  Füllung (Relaxation): Pankreatisches Polypeptid (PP), vasoaktives intestinales Peptid (VIP) und Somatostatin stabilisieren das Membranpotential der Muskelzellen in der Wand der Gallenblase; dadurch kann sie sich passiv füllen. Die Sekretion dieser Hormone wird im Zug der Verdauungstätigkeit angeregt: PP bei Anwesenheit von Peptiden im Darm, VIP durch fettreiche Nahrung, und Somatostatin durch Gastrin und hohe Proteinkonzentration im Magen.

  Kontraktion (Cholerese): Fettreiche Nahrung im Duodenum löst aber dann - innerhalb von ≈2 Minuten - Gallenblasenkontraktion aus, vermittelt durch Cholezystokinin . Auch der Parasympathikus regt die Kontraktion (muskarinerg) an. 2-6 Kontraktionen werden pro Minute in der glatten Muskulatur der Blasenwand ausgelöst; der maximale Druck in der Gallenblase beträgt 25-30 mmHg (≈4 kPa). Der Druck überwindet den Strömungswiderstand des ductus cysticus und des 3-10 cm langen ductus choledochus , mit ihrem Außendurchmesser von nur ≈2 mm.
 

<Abbildung: Isotone Flüssigkeitsresorption durch das Gellenblasenepithel
Nach einer Vorlage bei Boron / Boulpaep, Medical Physiology, 1st ed., Saunders 2003

Die Epithelzellen der Gallenblase resorbieren isoton Kochsalz: Apikal erfolgt parallel ein Na/H- (Ansäureung des Lumens) und ein Cl/Bikarbonat-Austausch, basolateral wirken Na/K-Pumpe und Chloridpermease. Wasser folgt para- und transzellulär

Rückresorption von Flüssigkeit aus der Gallenblase. Auch die Epithelzellen in der Wand der Gallenblase sind gegeneinander mit tight junctions abgedichtet, gelöste Stoffe können parazellulär nur schwer passieren. An der apikalen (gallenseitigen) Membran werden Natriumionen mittels eines Natrium-Wasserstoffionen-Exchanger (NHE) gegen H+, und Chlorid gegen Bikarbonat mittels Cl-/HCO3--Exchanger getauscht (der luminale pH-Wert sinkt, weil ersterer Mechanismus etwas rascher arbeitet).  Die basolaterale (blutseitige) Membran verfügt über besonders zahlreiche Na-K-ATPasen (transportieren 3 Na+ gegen 2 K+), Kalium- und Chloridkanäle sowie Aquaporine (<Abbildung).

Die basolaterale Ansammlung von Ionen veranlasst Wassermoleküle, vermehrt in den Interzellularspalt zu diffundieren (Osmose). Dies erhöht hier wiederum den hydrostatischen Druck, und Wasser wird durch die Basalmembran Richtung Blutgefäße gedrückt. Kapillaren unter der Basalmembran befördern schließlich die mittlerweile wieder isotone Flüssigkeit mit dem Blut aus der Wand der Gallenblase.

Wegen der hohen Transportrate dient die Gallenblase als Modell für Wasser- und Elektrolyttransport über epitheliale Oberflächen.



 

>Abbildung: Bilirubinstoffwechsel

Modifiziert nach einer Vorlage bei slideplayer.com

Produktion: Phagozyten gewinnen in der Milz aus Hämoglobin Häm, Eisen und Aminosäuren (pro Tag fallen etwa 6 g freies Hämoglobin an, das im Plasma transportiert wird). Häm wird über Biliverdin zunächst zu unkonjugiertem Bilirubin. Dieses wird durch Plasmaeiweiß transportiert (“indirektes" Bilirubin)

Konjugation: Leberzellen nehmen dieses auf und konjugieren es mit Glukoronsäure - damit wird es wasserlöslich ...

Elimination: ...und scheiden es in die Galle aus.
1/5 davon wird wieder resorbiert, ein kleiner Teil gelangt (als “direktes Bilirubin”) zu den Nieren, wo es als Urobilinogen und Urobilin ausgeschieden wird (täglich ≈2 mg - Gelbfärbung des Harns). Der Hauptteil der Gallenfarbstoffe (≈200 mg/d) wird mit den Fäzes als Sterkobilinogen und Sterkobilin ausgeschieden (Braunfärbung des Stuhls)

<Häm

  Die “Mauserung” roter Blutkörperchen (die nach ≈120 Tagen ihre Funktionstüchtigkeit einbüßen) erfolgt vorwiegend in der roten Pulpa der Milz: Phagozyten zerlegen Hämoglobin in Eisen (das von Transferrin aufgenommen wird), Globin (dessen Aminosäuren wiederverwertet werden) und Häm. Dieses wird - nach Öffnen der Ringverbindung zu vier Pyrrolkernen - zu Biliverdin und rasch weiter zu Bilirubin umgewandelt. Dieses wird von den Makrophagen an die extrazelluläre Flüssigkeit abgegeben.

   Bilirubin (Serum, Plasma)
Gesamt: 3,4-18,8 µM/l (0,2-1,1 mg/dl)

Unkonjugiert ("indirekt", proteingebunden): 3,4-13,7 µM/l (0,2-0,8 mg/dl)
Konjugiert ("direkt"): 0,5-5,1 µM/l (0-0,3 mg/dl)
  Bilirubin , der wichtigste Gallenfarbstoff, ist ein Abbauprodukt des Hämoglobins (Abbildungen) - es entsteht im retikuloendothelialen System, eine erwachsene Person bildet ≈200-300 mg Bilirubin pro Tag. 80% stammen aus gealterten Erythrozyten, 20% aus anderen Quellen, wie hepatischen Enzymsystemen (P450 etc).

"Direktes" und "indirektes" Bilirubin: Ist Bilirubin entstanden, stellt sich das Problem seines Transports - denn es ist kaum wasserlöslich. Eine - unmittelbar genutzte - Möglichkeit ist die Bindung an Plasmaeiweiß, vor allem Albumin; in dieser Form ist es löslich, aber einem direkten klinisch-chemischen Nachweis entzogen und heisst deshalb "indirektes Bilirubin". In dieser Form wird Bilirubin zur Leber transdportiert.

Im Blutplasma finden sich normalerweise 4-18 mM/l Bilirubin, der Großteil davon (>80%) ist "indirekt", d.h. an Albumin gebunden (und noch nicht glukoruniert, d.h. unkonjugiert).

Leberzellen können Bilirubin aufnehmen, mit Glukorunsäure konjugieren und in dieser - nunmehr wasserlöslichen - Form wieder an den Extrazelluläraum abgeben ("direktes", konjugiertes, nicht-albumingebundenes Bilirubin). Normalerweise beträgt dieser Anteil weniger als 20% des Gesamt-Bilirubins im Blutserum.

Das zur Löslichmachung benötigte Enzym heisst UDP-Glukuronyltransferase (UDP-GT), seine bilirubinspezifische Form überträgt Glukuronsäure auf Bilirubin. UDP-GT-Mangel führt zu Hyperbilirubinämie (leichte Form: Mb. Meulengracht, schwere Form: Crigler-Najjar-Syndrom).
 
        Zum Bilirubinspiegel bei Neugeborenen / Kindern s. dort.
 
Leberzellen nehmen in das Blut abgegebenes (albumingebundenes, d.h. indirektes) Bilirubin innerhalb weniger Stunden auf, wobei mehrere Transportmechanismen wirksam sind:

  elektrogene Bilirubintranslokase

  mittels Austausch gegen Chloiridionen (ohne Natrium; organischer Anionentransporter OATP-1)

  elektroneutraler Transport

Anschließend wird Bilirubin von den Hepatozyten durch Konjugation wasserlöslich gemacht:

  80% mit Glukuronat

  10% mit Sulfat

  10% mit anderen Begleitstoffen

und bringen es

  mittels aktiven Transports in die Galle: Der organische Aniontransporter MRP2 (Multidrug resistance-associated protein 2 - ein Mitglied der ATP-binding cassette-Familie) tut dies unter ATP-Verbrauch

So gelangt Bilirubin in den Dünndarm.
Im Darm entstehen aus Bilirubin verschiedene Produkte; 20% werden wieder resorbiert, der Leber zugeführt und erneut ausgeschieden (enterohepatischer Kreislauf). Ein kleiner Teil gelangt über das Blut (“direktes Bilirubin”) zu den Nieren, wo es als Urobilin und Urobilinogen im Harn ausgeschieden wird (normalerweise ≈1 mg/d, höchstens 4 mg/d).

Der Hauptteil der Gallenfarbstoffe wird - über Zwischenprodukte (Mesobilirubin, Urobilinogen, Sterkobilinogen) - in Sterkobiline
übergeführt und mit dem Stuhl ausgeschieden (40-280 mg/d). Am Bilirubinabbau im Darm ist die Darmflora beteiligt.

Sind die ableitenden Gallenwege verschlossen (z.B. durch einen Gallenstein), kann Bilirubin nicht mehr in den Darm übertreten. Gallenpflichtige Stoffe (Bilirubin, Gallensäuren, Cholesterin) stauen sich zurück, ihre Plasmakonzentration steigt an.





  Die hohe Cholesterinkonzentration (10-16 mM) der Blasengalle kann zu Gallensteinbildung führen. Der Anteil der Bevölkerung mit Gallensteinen beträgt bei uns mehr als 10%; meistens (≈90%) handelt es sich um Cholesterinsteine, beim Rest vor allem um Pigmentsteine.

  Ist die Gallenausscheidung beeinträchtigt, steigt der Bilirubinspiegel im Blut (Normalwert: ≤1 mg/dl Plasma), und es kann Gelbsucht (Ikterus , jaundice) auftreten. Man unterscheidet prä-, intra- und posthepatischen Ikterus, je nachdem ob das Problem vor, in oder nach der Leber liegt. Übermäßiger Hämoglobinabbau (z.B. Hämolyse) führt zu prähepatischer, ein Defekt in den Leberzellen (Störung von Transport, Konjugation oder Sekretion von Bilirubin) zu intrahepatischer, Abflusshindernis in den Gallenwegen (Gallengangsverschluss) zu posthepatischer Form.

  Mukoviszidose (=zystische Fibrose) führt wegen der gestörten Leber- und Gallenwegsfunktion (s. oben) zu Leberzirrhose und Gallensteinen bei erwachsenen Patienten.


Eine Reise durch die Physiologie


  Die Informationen in dieser Website basieren auf verschiedenen Quellen: Lehrbüchern, Reviews, Originalarbeiten u.a. Sie sollen zur Auseinandersetzung mit physiologischen Fragen, Problemen und Erkenntnissen anregen. Soferne Referenzbereiche angegeben sind, dienen diese zur Orientierung; die Grenzen sind aus biologischen, messmethodischen und statistischen Gründen nicht absolut. Wissenschaft fragt, vermutet und interpretiert; sie ist offen, dynamisch und evolutiv. Sie strebt nach Erkenntnis, erhebt aber nicht den Anspruch, im Besitz der "Wahrheit" zu sein.